Der Beschwer­de­geg­ner hat­te, im Besitz einer Bau­be­wil­li­gung, einen Schwei­ne- und einen Hüh­ner­stall erstellt. Die Nach­barn beschwer­ten sich gegen die Geruchs­emis­sio­nen, wor­auf das Bau- und Justiz­de­par­te­ment SO fest­hielt, die Bau­ten sei­en zwar for­mell und mate­ri­ell rechts­wid­rig (kei­ne Ver­fü­gung betr. Luft­rein­hal­teV; Ver­let­zung von Min­dest­ab­stän­den), doch hät­ten die Nach­barn bereits im Lau­fe des Bewil­li­gungs­ver­fah­rens Gele­gen­heit gehabt, sich zur Wehr zu set­zen.

Im Lau­fe des Ver­fah­rens rich­te­te der Kt. SO eine Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten gegen den Ent­scheid der Vor­in­stanz, die Bau­be­wil­li­gung zu wider­ru­fen.
Der Kan­ton war zwar durch den Ent­scheid betrof­fen, denn als Fol­ge des ange­foch­te­nen Urteils hat­te der Bau­herr eine Ent­schä­di­gung ver­langt. Strit­tig war aber sei­ne Legi­ti­ma­ti­on zur Beschwer­de, die sich nicht aus RPG 34 II iVm BGG 89 II d ergab. Frag­lich war, ob ihm die Beschwer­de­be­rech­ti­gung nach BGG 89 I BGG zukam. Das BGer lehn­te sich dazu an die Recht­spre­chung zu OG 103 a an.

Der Kan­ton Solo­thurn war vom ange­foch­te­nen Urteil in mate­ri­el­ler Hin­sicht jeden­falls nicht direkt betrof­fen. Die Beschwer­de dien­te ein­zig dazu, sich gegen eine all­fäl­li­ge Staats­haf­tungs­for­de­rung recht­lich abzu­si­chern, wofür er sich nicht auf BGG 89 I beru­fen kann. Zudem wur­de eine Bestim­mung, die den Kan­to­nen all­ge­mei­ne eine Beschwer­de­be­fug­nis gegen Ent­schei­de mit bedeu­ten­den finan­zi­el­len Fol­gen ein­ge­räumt hät­te, im Lau­fe der Ent­ste­hung des BGG fal­len­ge­las­sen.

Die­se Vor­ge­schich­te des heu­ti­gen Art. 89 BGG zeigt, dass mit dem Bun­des­ge­richts­ge­setz die Legi­ti­ma­ti­on der Kan­to­ne im Ver­gleich zur bis­he­ri­gen Rechts­la­ge grund­sätz­lich weder ein­ge­schränkt noch aus­ge­wei­tet wor­den ist […]. Eine Beschwer­de­be­rech­ti­gung der Kan­to­ne, wie sie der Kan­ton Solo­thurn im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren for­dert, wür­de nach den vor­ste­hen­den Dar­le­gun­gen eine Ergän­zung des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vor­aus­set­zen.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.