Die Swis­sair Schwei­ze­ri­sche Luft­ver­kehr-Akti­en­ge­sell­schaft in Nach­lass­li­qui­da­ti­on hat­te eine am Tag der pro­vi­so­ri­schen Nach­lass­stun­dung erfolg­te Zah­lung der Swis­sair an die Exxon­Mo­bil u.a. ian­ge­foch­ten. Das Ver­fah­ren wur­de in der Fol­ge auf die Fra­ge beschränkt, ob die Kla­ge inner­halb der Ver­wir­kungs­frist von SchKG 331 iVm SchKG 292 erfolgt war. 

Das HGer bejah­te die Fra­ge; das BGer weist eine dage­gen gerich­te­te Beschwer­de ab. Im Ergeb­nis ist SchKG 331 II nur für die Ver­dachts­fri­sten anwend­bar; die Anfech­tungs­frist beginnt mit der rechts­kräf­ti­gen Bestä­ti­gung des Nach­lass­ver­trags mit Ver­mö­gens­ab­tre­tung.

Das HGer hat­te sein Urteil auf die Auf­fas­sung gestützt, das Anfech­tungs­recht ver­jäh­re in zwei Jah­ren seit der Bestä­ti­gung des Nach­lass­ver­tra­ges. SchKG 331 I sehe die Anwen­dung von SchKG 285 ff. vor, wäh­rend die beson­de­re Bestim­mung von SchKG 331 II allein für die Ver­dachts­fri­sten mass­ge­bend sei. Die Beschwer­de­füh­rer (Exxon­Mo­bil usw.) wand­ten dage­gen ein, der Wort­laut von SchKG 331 II spre­che gegen die­se Ansicht, und es bestehe kein Grund, von die­sem Wort­laut abzu­wei­chen.

Nach einer Aus­ein­an­der­set­zung mit der Leh­re und der Aus­le­gung von SchKG 331 II kommt das BGer zum Schluss, dass 

…der Wort­laut von Art. 331 Abs. 2 SchKG die Anwen­dung auf die Ver­wir­kungs­frist gemäss Art. 292 SchKG wohl zulässt. Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, dem Zusam­men­hang mit ande­ren Vor­schrif­ten und dem Zweck erge­ben sich jedoch trif­ti­ge Grün­de, dass der Gesetz­ge­ber dies nicht gewollt haben kann, son­dern dass sich Art. 331 Abs. 2 SchKG nur auf die Ver­dachts­fri­sten bezieht.”

Die Anfech­tungs­frist bestimmt sich daher nach den Grund­sät­zen der Art. 285–292 SchKG. Das BGer geht hier­zu von einer Par­al­le­li­tät von Kon­kurs und dem Nach­lass­ver­trag mit Ver­mö­gens­ab­tre­tung aus und lei­tet dar­aus ab, dass 

die zwei­jäh­ri­ge Ver­wir­kungs­frist von Art. 292 SchKG — in Par­al­le­li­tät zum Kon­kurs (Schüp­bach, a.a.O., N. 60 zu Art. 292 SchKG) — mit der rechts­kräf­ti­gen Bestä­ti­gung des Nach­lass­ver­tra­ges mit Ver­mö­gens­ab­tre­tung zu lau­fen beginnt.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.