Eine nicht nament­lich genann­te Zür­cher Anwalts­kanz­lei, die mit der Füh­rung des CRT betraut war (bei Inter­es­se kann das dem CRT zugrun­de lie­gen­de MoM kon­sul­tiert wer­den), muss­te der Haupt­ab­tei­lung MWSt Nach­steu­ern von rund CHF 275’000 zzgl Ver­zugs­zin­sen für 1999 und 2000 ablie­fern, nach­dem die EStV Umsät­ze der Anwalts­kanz­lei im Zusam­men­hang mit der Füh­rung des Sekre­ta­ri­ats des Schieds­ge­richts für nach­rich­ten­lo­se Kon­ten
als steu­er­ba­re Dienst­lei­stun­gen qua­li­fi­ziert hat­te. Es hand­le sich dabei nicht um hoheit­li­che Lei­stun­gen , die steu­er­be­freit wären. Ein­spra­chen wies die EStV ab.

Zu beur­tei­len waren ledig­lich die von der beschwer­de­füh­ren­den Anwalts­kanz­lei in ihrer Eigen­schaft als Sekre­ta­ri­at die­ses Gerichts erbrach­ten Lei­stun­gen. Das BGer hiess die Beschwer­de der Anwalts­kanz­lei gut, auf der Grund­la­ge der für die strit­ti­ge Zeit anwend­ba­ren Mehr­wert­steu­er­ver­ord­nung. Aus­gangs­punkt war die Steu­er­be­frei­ung der Schieds­ge­richts­bar­keit als einer Tätig­keit hoheit­li­chen Cha­rak­ters (heu­te MWstG 23 I). Die Tätig­keit der Kanz­lei waren näm­lich nicht rei­ne Hilfs­tä­tig­kei­ten, son­dern von einer Art, die “mit der Funk­ti­on von Gerichts­schrei­bern in allen Tei­len ver­gleich­bar” ist. Auch wenn die Urtei­le letzt­lich durch die ein­zel­nen Schieds­rich­ter zu fäl­len waren, wur­den von der Kanz­lei (dh den Sekre­tä­ren und dem Gene­ral­se­kre­ta­ri­at) Lei­stun­gen erbracht, “die hohe juri­sti­sche, fach­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen erfor­der­ten und als sol­che der eigent­li­chen schieds­ge­richt­li­chen Tätig­keit zuzu­rech­nen sind”. 

Das BGer konn­te die­se Lei­stun­gen des­halb als eine aus­ge­la­ger­te Funk­ti­on der Schieds­ge­richts­bar­keit qua­li­fi­zie­ren. Die Aus­übung von Funk­tio­nen der Schieds­ge­richts­bar­keit ist aber per se von der Besteue­rung aus­ge­nom­men,

d.h. unab­hän­gig davon, ob die betref­fen­den Lei­stun­gen vom Gericht (Spruch­kör­per) sel­ber oder orga­ni­sa­to­risch aus­ge­glie­dert erbracht wer­den”.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.