X bestell­te im Inter­net vier Dosen „Body­po­wer-Tablet­ten“. Dar­aus stell­te er unter Bei­ga­be von Cal­ci­um und Was­ser ca. 1 bis 1,5 kg angeb­li­ches Speed her. Aus dem Rest des glei­chen Pro­dukts pro­du­zier­te er 200–300 angeb­li­che Ecsta­sy-Pil­len. Er schliff dabei die ein­zel­nen Tablet­ten ab, färb­te sie teil­wei­se mit Lebens­mit­tel­far­be ein und brach­te dar­auf ein Mitsu­bi­shi-Zei­chen an. Er wuss­te, dass sei­ne Käu­fer die Pro­duk­te nicht sel­ber kon­su­mier­ten, son­dern die­se ohne Prü­fung wei­ter­ver­kauf­ten.

Das Bun­des­ge­richt sah mit Urteil vom 21. Juli 2009 (6B_316/2009) in die­sem Ver­hal­ten eine Täu­schungs­hand­lung und bestä­tig­te den Schuld­spruch wegen mehr­fa­chen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB:

2.4 Eine Täu­schungs­hand­lung kann durch expli­zi­te oder impli­zi­te Erklä­rung erfol­gen, wobei kon­klu­den­te Täu­schun­gen zum Kern­be­reich fal­scher Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen — im Sin­ne des “Vor­spie­gelns” gehö­ren […]. Das Ver­schwei­gen einer für das betref­fen­de Pro­dukt rele­van­ten Tat­sa­che – vor­lie­gend die feh­len­den Inhalts­stof­fe Amphet­amin bzw. Ecsta­sy – stellt eben­falls eine Vor­spie­ge­lung, d.h. Täu­schung durch ein Tun dar: Wer etwa mit Falsch­geld bezahlt, unter­drückt nicht die Fäl­schung, son­dern täuscht Echt­heit vor […]. Der Beschwer­de­füh­rer gab im Lau­fe der Ermitt­lun­gen […] wie­der­holt zu, dass er sei­nen Kun­den Speed und Ecsta­sy ver­kauf­te. Die Fest­stel­lung der Vor­in­stanz, dass der Beschwer­de­füh­rer durch das (unbe­strit­te­ne) Ver­kau­fen von Speed bzw. Ecsta­sy-Pil­len sei­nen Abneh­mern erklärt habe, dadurch die Betäu­bungs­mit­tel Amphet­amin und Ecsta­sy zu erwer­ben […], ist vor die­sem Hin­ter­grund nicht zu bean­stan­den.

Dar­über hin­aus bejah­te das Gericht in die­sem Fall auch einen Ver­mö­gens­scha­den:

3.2 […] Ein Ver­mö­gens­scha­den liegt bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se vor, wenn das Ver­mö­gen des Täu­schungs­op­fers nach Vor­nah­me der irr­tums­be­ding­ten Ver­mö­gens­ver­fü­gung in sei­nem Gesamt­wert tat­säch­lich ver­min­dert ist (Ver­min­de­rung der Akti­ven, Ver­meh­rung der Pas­si­ven). Das ist auch der Fall, wenn das Ver­mö­gen in einem Mas­se gefähr­det wird, dass es in sei­nem wirt­schaft­li­chen Wert ver­min­dert ist, d.h. wenn der Gefähr­dung im Rah­men einer sorg­fäl­ti­gen Bilan­zie­rung durch Wert­be­rich­ti­gung oder Rück­stel­lung Rech­nung getra­gen wer­den muss. Bei gegen­sei­ti­gem Lei­stungs­aus­tausch ist dies der Fall, wenn die eige­ne Lei­stung des Betrof­fe­nen durch die erwor­be­ne Gegen­lei­stung nicht aus­ge­gli­chen wird. Bei objek­ti­ver Gleich­wer­tig­keit von Lei­stung und Gegen­lei­stung liegt ein Scha­den vor, wenn die Gegen­lei­stung den indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­sen des Getäusch­ten nicht ent­spricht und für sei­ne Zwecke unbrauch­bar ist (Urteil des Bun­des­ge­richts vom 7. Juni 2006 6P.133/2005 E. 15.3.3 mit Hin­wei­sen). Selbst wenn man den Wert des vom Beschwer­de­füh­rer her­ge­stell­ten Speed und der Ecsta­sy-Pil­len danach bestim­men wür­de, wel­chen Preis die Abneh­mer im kon­kre­ten Fall bei Kennt­nis der wah­ren Beschaf­fen­heit die­ser Sachen zu zah­len bereit gewe­sen wären, ist nicht ersicht­lich, inwie­fern der Beschwer­de­füh­rer hier­aus etwas zu sei­nen Gun­sten ablei­ten könn­te. Er legt nicht dar, ob sei­ne Kun­den tat­säch­lich einen über den Mate­ri­al­ko­sten lie­gen­den Preis zu zah­len bereit gewe­sen wären, hät­ten sie um die wah­re Beschaf­fen­heit des von ihm her­ge­stell­ten Speed und der Ecsta­sy-Pil­len gewusst. Rea­li­sti­scher­wei­se ist davon nicht aus­zu­ge­hen. Die Vor­in­stanz hat somit zu Recht die Mate­ri­al­ko­sten als objek­ti­ven Waren­wert bezeich­net.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.