Ein Beschwer­de­füh­rer, der vom Bun­des­ge­richt u.a. wegen Gehil­fen­schaft zu unge­treu­er Amts­füh­rung (Art. 314 StGB) ver­ur­teilt wor­den war und vor dem Bun­des­ge­richt die Auf­he­bung die­ses Ent­scheids begehr­te, ist mit sei­nem Antrag geschei­tert. Er hat­te gel­tend gemacht, eine Bei­hil­fe sei nach dem zur Tat­zeit gel­ten­den Recht nicht mög­lich gewe­sen, da die unge­treue Amts­füh­rung ein Son­der­de­likt dar­stellt. Das Bun­des­ge­richt hat die­se Auf­fas­sung mit Urteil vom 21. August (6B_421/2008) ver­wor­fen:

3.7 […]: Zufol­ge des am 1. Janu­ar 2007 in Kraft getre­te­nen Art. 26 StGB fin­den Straf­tat­be­stän­de, die Son­der­de­lik­te dar­stel­len, auch Anwen­dung auf die Teil­neh­mer. Die­se Rege­lung deckt sich […] mit der bis­he­ri­gen Pra­xis zu Art. 26 aStGB, wonach die Beam­ten­stel­lung des Täters dem Teil­neh­mer, der die erfor­der­li­che Tät­er­ei­gen­schaft nicht in eige­ner Per­son erfüllt (sog. Extra­neus), akzes­so­risch eben­falls zuzu­rech­nen ist. Der Straf­grund der Teil­nah­me liegt dabei in der Mit­wir­kung an dem vom Täter began­ge­nen Unrecht begrün­det (Ent­scheid 6S.55/2006 vom 23. April 2006 E. 4; BGE 111 IV 74 E. 5b). Die Gehil­fen­schaft zu einem Son­der­de­likt ist dem­nach sowohl unter altem wie unter neu­em Recht nach den­sel­ben Tat­be­stands­kri­te­ri­en straf­bar. Hin­ge­gen war nach Art. 25 aStGB die Gehil­fen­schaft nur fakul­ta­tiv straf­mil­dernd zu berück­sich­ti­gen, wäh­rend nach neu­em Recht Art. 25 StGB eine obli­ga­to­ri­sche Straf­mil­de­rung für den Gehil­fen sta­tu­iert. Die Vor­in­stanz hat folg­lich das neue Recht zutref­fend als das mil­de­re qua­li­fi­ziert.

Die eben­falls am 21. August gefäll­ten Urtei­le des Bun­des­ge­richts in Sachen der bei­den Haupt­tä­ter fin­den sich hier: 6B_916/2008 und 6B_921/2008. (Sie­he auch den frü­he­ren Blog­bei­trag zum The­ma.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.