Der EuGH schützt ein nach por­tu­gie­si­schem Recht bestehen­des Ver­bot von Inter­net-Glücks­spie­len(Urteil C-42/07 i.S. Liga Por­tu­guesa de Fute­bol Pro­fis­sio­nal und Baw Inter­na­tio­nal von heu­te Diens­tag). Es han­delt sich dabei zwar um einen Ein­griff in die Dienst­lei­stungs­frei­heit, doch sind sol­che Ein­grif­fe zuläs­sig, soweit sie aus zwin­gen­den Grün­den des All­ge­mein­in­ter­es­ses gerecht­fer­tigt sind. Das ist bei Inter­net­glücks­spiel der Fall (Prä­ven­ti­on von Betrug und ande­ren Straf­ta­ten):

Art. 46 Abs. 1 EG lässt Beschrän­kun­gen zu, die aus Grün­den der öffent­li­chen Ord­nung, Sicher­heit oder Gesund­heit gerecht­fer­tigt sind. Dar­über hin­aus hat die Recht­spre­chung eine Rei­he von zwin­gen­den Grün­den des All­ge­mein­in­ter­es­ses her­aus­ge­stellt wie die Zie­le des Ver­brau­cher­schut­zes, der Betrugs­vor­beu­gung, der Ver­mei­dung von Anrei­zen für die Bür­ger zu über­höh­ten Aus­ga­ben für das Spie­len und der Ver­hü­tung von Stö­run­gen der sozia­len Ord­nung im All­ge­mei­nen […]
[…] gehört die Rege­lung der Glücks­spie­le zu den Berei­chen, in denen beträcht­li­che sitt­li­che, reli­giö­se und kul­tu­rel­le Unter­schie­de zwi­schen den Mit­glied­staa­ten bestehen. […]
[…]
[…] Somit steht den Mit­glied­staa­ten zwar frei, die Zie­le ihrer Poli­tik auf dem Gebiet der Glücks­spie­le fest­zu­le­gen und gege­be­nen­falls das ange­streb­te Schutz­ni­veau genau zu bestim­men, doch müs­sen die von ihnen vor­ge­schrie­be­nen Beschrän­kun­gen den sich aus der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs erge­ben­den Anfor­de­run­gen an ihre Ver­hält­nis­mä­ßig­keit genü­gen […].
[…]
[…] Dazu ist fest­zu­stel­len, dass die Bekämp­fung der Kri­mi­na­li­tät ein zwin­gen­der Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses sein kann, der geeig­net ist, Beschrän­kun­gen hin­sicht­lich der Wirt­schafts­teil­neh­mer zu recht­fer­ti­gen, denen es gestat­tet ist, Dienst­lei­stun­gen im Glücks­spiel­sek­tor anzu­bie­ten. Glücks­spie­le ber­gen näm­lich in Anbe­tracht der Höhe der Beträ­ge, die mit ihnen ein­ge­nom­men wer­den kön­nen, und der Gewin­ne, die sie den Spie­lern bie­ten kön­nen, eine erhöh­te Gefahr von Betrug und ande­ren Straf­ta­ten.
[…]
[…] Außer­dem ber­gen die Glücks­spie­le über das Inter­net, ver­gli­chen mit den her­kömm­li­chen Glücks­spiel­märk­ten, wegen des feh­len­den unmit­tel­ba­ren Kon­tak­tes zwi­schen dem Ver­brau­cher und dem Anbie­ter anders gear­te­te und grö­ße­re Gefah­ren in sich, dass die Ver­brau­cher even­tu­ell von den Anbie­tern betro­gen wer­den.
[…]
[…] Des­halb ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 49 EG einer Rege­lung eines Mit­glied­staats wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Rede ste­hen­den nicht ent­ge­gen­steht, nach der Wirt­schafts­teil­neh­mer wie Bwin, die in ande­ren Mit­glied­staa­ten nie­der­ge­las­sen sind, in denen sie recht­mä­ßig ent­spre­chen­de Dienst­lei­stun­gen erbrin­gen, im Hoheits­ge­biet des erst­ge­nann­ten Mit­glied­staats kei­ne Glücks­spie­le über das Inter­net anbie­ten dür­fen.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.