In einem Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren i.S. Goog­le vs. Lou­is Vuit­ton et al. über die Fra­ge, ob die Ver­wen­dung von Mar­ken­na­men als Goog­le AdWor­ds eine Mar­ken­ver­let­zung dar­stel­len, führ­te heu­te der Gene­ral­an­walt, M. Poi­a­res Madu­ro, in sei­nen Schluss­an­trä­gen u.a. Fol­gen­des aus: 

48. Mar­ken­in­ha­ber ver­fol­gen das Ziel, den Schutz­um­fang der Mar­ke aus­zu­deh­nen, damit auch Hand­lun­gen einer Par­tei erfasst wer­den, die eine Mit­wir­kung an einer von Drit­ten began­ge­nen Mar­ken­ver­let­zung dar­stel­len. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten wird dies all­ge­mein als „con­tri­bu­to­ry infrin­ge­ment“ (mit­wir­ken­de Ver­let­zung) bezeichnet(19), mei­nes Wis­sens ist die­ser Ansatz dem euro­päi­schen Mar­ken­rechts­schutz jedoch fremd, da die­se Fäl­le in Euro­pa nor­ma­ler­wei­se durch das Haf­tungs­recht gelöst werden(20).

49. Die Mar­ken­in­ha­ber möch­ten, dass der Gerichts­hof sogar noch wei­ter geht: Es soll näm­lich fest­ge­stellt wer­den, dass die blo­ße Mög­lich­keit, dass ein System ? in den vor­lie­gen­den Rechts­sa­chen AdWor­ds ? von Drit­ten benutzt wer­den kön­ne, um eine Mar­ke zu ver­let­zen, dazu füh­re, dass das System selbst eine Ver­let­zung dar­stel­le. Denn die Mar­ken­in­ha­ber möch­ten ihre Ansprü­che nicht auf Fäl­le beschrän­ken, in denen AdWor­ds tat­säch­lich von Web­sites benutzt wird, die nach­ge­ahm­te Waren anbie­ten, son­dern sie möch­ten die­se Mög­lich­keit im Keim ersticken, indem Goog­le ver­bo­ten wird, Stich­wör­ter zur Aus­wahl anzu­bie­ten, die ihren Mar­ken ent­spre­chen. Aus der Gefahr, dass AdWor­ds benutzt wer­den könn­te, um Pira­ten­sites zu bewer­ben, lei­ten sie ein all­ge­mei­nes Recht ab, die Benut­zung ihrer Mar­ken als Stich­wör­ter zu ver­bie­ten. Wenn die Ver­let­zung dar­in liegt, dass die Stich­wör­ter in AdWor­ds benutzt wer­den, wie von den Mar­ken­in­ha­bern gel­tend gemacht wird, dann gilt dies unab­hän­gig davon, ob die bei der Ein­ga­be der Stich­wör­ter ange­zeig­ten Web­sites tat­säch­lich die Mar­ke ver­let­zen.

50. Der Gerichts­hof wird somit ersucht, den Schutz­um­fang der Mar­ke erheb­lich zu erwei­tern. Ich wer­de dar­le­gen, wes­halb dem Gerichts­hof davon abzu­ra­ten ist. Mei­ne Prü­fung der Fra­ge, ob eine Mar­ken­ver­let­zung vor­liegt, wird zu dem Ergeb­nis füh­ren, dass erstens die Benut­zung von Stich­wör­tern, die Mar­ken ent­spre­chen, in AdWor­ds für sich genom­men kei­ne Mar­ken­ver­let­zung dar­stellt und zwei­tens der Zusam­men­hang mit ande­ren (mög­li­cher­wei­se ver­let­zen­den) Benut­zungs­ar­ten bes­ser im Rah­men der haf­tungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen zu behan­deln ist, wie dies bis­lang der Fall war.”

Vgl. zu die­sem The­ma in der Schweiz auch Reinle/Obrecht, Mar­ken­rechts­ver­let­zun­gen durch Goog­le AdWor­ds, sic! 2009, 112 ff. und die Replik von Koh­li, sic! 2009, 629 ff.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.