Der Bun­des­rat will die orga­ni­sier­te Ster­be­hil­fe aus­drück­lich regeln und hat am 28. Okto­ber 2009 einen Geset­zes­ent­wurf in zwei Vari­an­ten vor­ge­legt: Fest­le­gung von kla­ren Sorg­falts­pflich­ten für Mit­ar­bei­ten­de von Sui­zid­hil­fe­or­ga­ni­sa­tio­nen im Straf­recht oder Ver­bot der orga­ni­sier­ten Sui­zid­hil­fe. Die Ver­nehm­las­sung läuft bis zum 1. März 2010.

An der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge, wonach die Bei­hil­fe zum Sui­zid ohne selbst­süch­ti­ge Beweg­grün­de erlaubt ist, wird grund­sätz­lich fest­ge­hal­ten. Mit dem Gesetz will der Bun­des­rat jedoch Leit­li­ni­en vor­ge­ben und dadurch ver­hin­dern, dass sich die orga­ni­sier­te Ster­be­hil­fe zur gewinn­ori­en­tier­ten Tätig­keit ent­wickelt und sich der sog. „Ster­be­tou­ris­mus“ fort­ent­wick­le. Zudem soll gewähr­lei­stet wer­den, dass die orga­ni­sier­te Sui­zid­hil­fe tod­kran­ken Pati­en­ten vor­be­hal­ten bleibt und nicht durch chro­nisch oder psy­chisch kran­ke Men­schen in Anspruch genom­men wer­den kann.

• Vari­an­te 1: Stren­ge Sorg­falts­pflich­ten
Der vom Bun­des­rat bevor­zug­te Geset­zes­ent­wurf sieht vor, die bei­den gleich­lau­ten­den Art. 115 StGB und Art. 119 MStG mit ver­schie­de­nen Sorg­falts­pflich­ten zu ergän­zen. Eine Straf­bar­keit soll danach aus­ge­schlos­sen sein, wenn alle im Gesetz auf­ge­führ­ten Sorg­falts­pflich­ten beach­tet wer­den und fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen: frei­er und dau­er­haf­ter Wil­le des Pati­en­ten, Gut­ach­ten von zwei ver­schie­de­nen und unab­hän­gi­gen Ärz­ten, kein Erwerbs­zweck des Sui­zid­hel­fers, voll­stän­di­ge Doku­men­ta­ti­on jedes Ein­zel­fal­les.

• Vari­an­te 2: Ver­bot der orga­ni­sier­ten Sui­zid­hil­fe
Als Alter­na­ti­ve schlägt der Bun­des­rat ein Ver­bot der orga­ni­sier­ten Sui­zid­hil­fe vor, weil die Annah­me nahe­lie­ge, dass eine in einer Sui­zid­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on täti­ge Per­son nicht aus rein altru­isti­schen Grün­den han­deln und eine aus­rei­chend enge Bezie­hung zur sui­zid­wil­li­gen Per­son ent­wickeln kön­ne.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.