Das BGer heisst ein Revi­si­ons­ge­such des VgT gut und hebt damit einen Beschwer­de­ent­scheid des UVEK von 1996 auf, das die Aus­strah­lung eines Fern­seh­spots des VgT ange­lehnt hat­te. Die “publi­su­is­se SA“hatte die Aus­strah­lung des Spots abge­lehnt, was das Bun­des­ge­richt im August 1997 in BGE 123 II 402 ff. geschützt hat­te. Dadurch hat­te die Schweiz EMRK 10 ver­letzt, wie der EGMR im Juni 2001 fest­ge­stellt hat. Das BGer ent­schied dar­auf in einem zwei­ten Urteil (2A.526/2001 vom April 2002), sei­nen ersten Ent­scheid nicht zu revi­die­ren, weil die Ein­ga­be des VgT den for­mel­len Anfor­de­run­gen nicht ent­sprach; der VgT habe nicht dar­ge­legt, inwie­fern die Revi­si­on über die durch den EGMR zuge­spro­che­ne Wie­der­gut­ma­chung hin­aus nötig war. Auf Beschwer­de des VgT vom Juli 2002 ent­schied der EGMR (Urteil vom 30. Juni 2009), die Schweiz habe die EMRK erneut ver­letzt:

Die Gro­sse Kam­mer des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te bestä­tig­te am 30. Juni 2009 den Ent­scheid der 5. Kam­mer vom 4. Okto­ber 2007, wonach die Schweiz damit erneut Art. 10 EMRK ver­letzt habe. Das Revi­si­ons­ur­teil des Bun­des­ge­richts habe sich auf neue Grün­de gestützt, die geeig­net gewe­sen sei­en, eine wei­te­re Ver­let­zung von Art. 10 EMRK zu begrün­den, wes­halb die Zustän­dig­keit des Gerichts­hofs und nicht des Mini­ster­ko­mi­tees “ratio­ne mate­riae” gege­ben sei (…). Die Wie­der­auf­nah­me eines Ver­fah­rens kön­ne vom Gerichts­hof zwar nicht direkt ange­ord­net wer­den, doch habe eine sol­che im Geist des umzu­set­zen­den Urteils zu erfol­gen, soweit dies mög­lich sei. Das Bun­des­ge­richt habe in sei­nem Revi­si­ons­ur­teil “über­trie­ben for­ma­li­stisch” ent­schie­den. Es habe ins­be­son­de­re kei­ne Erklä­rung dafür gege­ben, inwie­fern sich die öffent­li­che Debat­te über die Käfig­hal­tung seit 1994 geän­dert habe, und zu Unrecht sei­ne Beur­tei­lung des Inter­es­ses an einer Aus­strah­lung des Spots an die Stel­le der­je­ni­gen des beschwer­de­füh­ren­den Ver­eins gestellt (…).” 

Das BGer sah sich daher gezwungen,das Revi­si­ons­ge­such gut­zu­hei­ssen, sei­ne Urtei­le auf­zu­he­ben, die ursprüng­li­che Ver­wal­tungs­ge­richts­be­schwer­de gut­zu­hei­ssen und fest­zu­stel­len, dass die 1994 bean­trag­te Aus­strah­lung des Wer­be­spots kei­ne rund­funk­recht­lich ver­bo­te­ne poli­ti­sche Wer­bung dar­stell­te.

David Vasella

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RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.