In einem gestern ver­öf­fent­lich­ten, zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Ent­scheid (5A_530/2008 vom 22. Okto­ber 2009) befass­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Voll­streck­bar­er­klä­rung von aus­län­di­schen vor­sorg­li­chen Mass­nah­men (Art. 31 LugÜ).

Das Bun­des­ge­richt hielt zunächst mit Blick auf die zuläs­si­gen Beschwer­de­grün­de fest, dass es sich (in Ana­lo­gie zur Rechts­öff­nung, sie­he BGE 133 III 399) recht­fer­ti­ge, gegen das selb­stän­di­ge Exe­qua­tur die Beschwer­de­grün­de nicht ein­zu­schrän­ken (kei­ne Anwen­dung von Art. 98 BGG), son­dern die all­ge­mei­nen Beschwer­de­grün­de zuzu­las­sen (Art. 95 – 97 BGG), unab­hän­gig davon, ob der aus­län­di­sche Ent­scheid einst­wei­li­gen Cha­rak­ter hat oder nicht (Erw. 1.3).

Im Hin­blick auf die Voll­streck­bar­er­klä­rung in der Schweiz war ein­zig umstrit­ten, ob der ita­lie­ni­sche Sequestro con­ser­va­tivo in Ita­li­en voll­streck­bar war. In der Sache kon­zen­trier­te sich das bun­des­ge­richt­li­che Ver­fah­ren auf die Rüge der Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs (Erw. 2.2 und Erw. 3).

Das BGer hob den ober­ge­richt­li­chen Beschluss wegen Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör auf und wies die Sache zur ver­fas­sungs­kon­for­men Behand­lung an die Vor­in­stanz zurück.

Das bei der Ein­zel­rich­te­rin (im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren) des Bezirks­ge­richts Zürich gestell­te Begeh­ren, dass ita­lie­ni­sche Sequestro con­ser­va­tivo nach Art. 31 ff. LugÜ für voll­streck­bar zu erklä­ren, wur­de abge­wie­sen. Zur Begrün­dung der feh­len­den Voll­streck­bar­keit hielt die Ein­zel­rich­te­rin im Wesent­li­chen fest, dass der Sequestro con­ser­va­tivo nach ita­lie­ni­schem Recht nicht mehr wirk­sam bzw. voll­streck­bar sei. Man­gels Voll­streck­bar­er­klä­rung wur­de kein Arrest als Siche­rungs­mass­nah­me (Art. 39 Abs. 2 LugÜ) ange­ord­net.

Das Ober­ge­richt des Kan­tons Zürich wies infol­ge den Rekurs gegen die Ver­fü­gung der Ein­zel­rich­te­rin und den Antrag auf Voll­streck­bar­er­klä­rung ab.

Das Bun­des­ge­richt kam zum Schluss, dass im ange­foch­te­nen Beschluss „[…] an ent­schei­den­der Stel­le die Über­le­gun­gen, von denen sich das Ober­ge­richt lei­ten liess [feh­len], um die Voll­streck­bar­er­klä­rung zu ver­wei­gern. In wesent­li­chen Gesichts­punk­ten hat das Ober­ge­richt die in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht erheb­li­chen Vor­brin­gen der Beschwer­de­füh­re­rin über­gan­gen. Ihre Rüge einer Ver­let­zung von Art. 29 Abs. 2 BV ist begrün­det.“

Arie J. Gerszt

Posted by Arie J. Gerszt