Das Bun­des­straf­ge­richt hat eine Beschwer­de, in der um die Aus­rich­tung einer Ent­schä­di­gung für Auf­wen­dun­gen eines Ver­tei­di­gers und des­sen Sub­sti­tu­ten im ein­ge­stell­ten Ermitt­lungs­ver­fah­ren zula­sten der Bun­des­kas­se gemäss Art. 122 BStP ersucht wur­de, teil­wei­se gut­ge­hei­ssen (BSt­Ger-Ent­scheid BK.2009.9 vom 2. Dezem­ber 2009).

Das Gericht hält in sei­ner Begrün­dung fest:

3.1 Die dem Beschul­dig­ten ent­stan­de­nen Ver­tei­di­gungs­ko­sten kön­nen als „ande­re Nach­tei­le“ i.S. von Art. 122 BStP gel­tend gemacht wer­den, wenn der Bei­zug des Ver­tei­di­gers zuläs­sig war, die Kosten unmit­tel­bar durch das Ver­fah­ren bedingt und aus Vor­keh­ren ent­stan­den sind, die sich bei sorg­fäl­ti­ger Inter­es­sen­wah­rung als gebo­ten erwei­sen oder doch in guten Treu­en ver­ant­wor­ten las­sen (vgl. BGE 115 IV 156 E. 2c S. 159; BSt­Ger-Ent­scheid BK.2005.4 vom 19. Dezem­ber 2006, E. 2.2 m.w.H.).

Die Gesuchs­geg­ne­rin hat­te gegen die die gel­tend gemach­te Hono­rar­for­de­rung u. a. ein­ge­wen­det, dass die vom Sub­sti­tu­ten des Rechts­ver­tre­ters vor­ge­nom­me­nen Abklä­run­gen zum Bun­des­straf­pro­zess (ins­be­son­de­re zur Ver­mö­gens­be­schlag­nah­me, Ein­ver­nah­me und Ein­zieh­bar­keit von Ver­mö­gens­wer­ten bei Geld­wä­sche­rei­ver­dacht) anhand der Bun­des­ge­richts­pra­xis zum Stan­dard­wis­sen eines Rechts­an­wal­tes gehö­ren wür­den, wes­halb eine Infor­ma­ti­on der Gesuch­stel­le­rin dies­be­züg­lich kei­ne zusätz­li­che Ein­ar­bei­tung erfor­der­lich gemacht hät­te. Die Ein­ho­lung die­ser Infor­ma­tio­nen durch einen Sub­sti­tu­ten, wel­cher natur­ge­mäss nicht über den Aus­bil­dungs­stand eines Rechts­an­walts ver­fü­ge, dür­fe nicht zu Lasten der Bun­des­kas­se gehen.

Das Bun­des­straf­ge­richt erteil­te die­ser Argu­men­ta­ti­on eine Absa­ge.

3.2.1 […] Die ent­spre­chen­den Ein­wen­dun­gen ver­mö­gen nicht zu über­zeu­gen. Die sorg­fäl­ti­ge Inter­es­sen­wah­rung durch einen Rechts­an­walt bringt es mit sich, dass sich die­ser nebst Kon­sul­ta­ti­on der Akten auch dem Stu­di­um von Rechts­fra­gen zu wid­men hat. Die sich im Zusam­men­hang mit dem vor­lie­gen­den Man­dat stel­len­den Rechts­fra­gen pau­schal dem All­ge­mein­wis­sen eines Rechts­an­wal­tes zuord­nen zu wol­len, geht zu weit. Sofern auf Grund der Fall­be­ar­bei­tung durch einen Sub­sti­tu­ten zeit­lich ein grö­sse­rer Auf­wand resul­tiert, als dies bei der Fall­be­ar­bei­tung durch den Rechts­an­walt sel­ber der Fall wäre, wird dem durch die Fest­set­zung des Stun­den­an­sat­zes Rech­nung getra­gen […].
3.3 […] Für von Prak­ti­kan­ten bzw. Sub­sti­tu­ten, die nicht über die zur Aus­übung des Anwalts­be­rufs not­wen­di­ge Zulas­sung ver­fü­gen, gelei­ste­te Arbei­ten erach­tet die I. Beschwer­de­kam­mer des Bun­des­straf­ge­richts einen Stun­den­an­satz von Fr. 150.– als ange­mes­sen (vgl. BSt­Ger-Ent­scheid BK.2008.2 vom 20. Okto­ber 2008, E. 2.5).

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.