Die Teil­re­vi­si­on des Obli­ga­tio­nen­rechts (OR) zur Ver­bes­se­rung des Schut­zes von Arbeit­neh­mern, die auf Miss­stän­de am Arbeits­platz hin­wei­sen (sog. Whist­leb­lo­wer), ist in der Ver­nehm­las­sung von einer Mehr­heit grund­sätz­lich befür­wor­tet wor­den.

Der vor einem Jahr in die Ver­nehm­las­sung geschick­te Vor­ent­wurf sieht vor, die Vor­aus­set­zun­gen für eine recht­mä­ssi­ge Mel­dung von Miss­stän­den am Arbeits­platz in einem neu­en Arti­kel im Obli­ga­tio­nen­recht auf­zu­füh­ren. Die Ergeb­nis­se der Ver­nehm­las­sung hät­ten aller­dings gezeigt, heisst es in der Medi­en­mit­te­lung des Bun­des­amt für Justiz (BJ), dass die­se Mass­nah­me allein nicht genü­ge, um die Arbeit­neh­mer bes­ser zu schüt­zen. Es stel­le sich die Fra­ge, ob im Fall einer miss­bräuch­li­chen Kün­di­gung die im Obli­ga­tio­nen­recht vor­ge­se­he­ne Ent­schä­di­gung bis zu sechs Monats­löh­nen wirk­sam ist und ob die beson­de­ren Umstän­de bei der Mel­dung von Miss­stän­den am Arbeits­platz nicht eine stren­ge­re Sank­ti­on recht­fer­ti­gen.

Daher will der Bun­des­rat, bevor er über das wei­te­re Vor­ge­hen ent­schei­det, die im gel­ten­den Recht vor­ge­se­he­nen Sank­tio­nen bei Kün­di­gun­gen über­prü­fen. Er hat das Eid­ge­nös­si­sche Justiz- und Poli­zei­de­par­te­ment (EJPD) beauf­tragt, zu die­ser Fra­ge einen wei­te­ren Vor­ent­wurf aus­zu­ar­bei­ten. Die Unter­su­chung soll jedoch nicht die Grund­la­gen des Kün­di­gungs­rechts in Fra­ge stel­len, son­dern sich in erster Linie auf die Höhe der Sank­ti­on bezie­hen. Die Nich­tig­keit der Kün­di­gung wer­de im Arbeits­recht eine Aus­nah­me blei­ben.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.