In einer kom­ple­xen Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen einer Bau­her­rin und einem Archi­tek­tur- und Pla­nungs­bü­ro, das sich in einem “Gene­ral­pla­ner-Ver­trag” zur Erstel­lung einer Vil­la mit 34 Eigen­tums­woh­nun­gen mit einem Auf­trags­vo­lu­men von ca. CHF 2.3 Mio. ver­pflich­tet hat­te, stand u.a. die von der Vor­in­stanz (dem HGer ZH) vor­ge­nom­me­ne Her­ab­set­zung einer Kon­ven­tio­nal­stra­fe zur Debat­te. Der Ver­trag sah eine Stra­fe von CHF 100’000 pro ange­fan­ge­nem Monat Ver­zö­ge­rung in der Fer­tig­stel­lung vor. Die Bau­her­rin for­der­te in der Fol­ge eine Stra­fe von CHF 1.8 Mio. Das HGer erkann­te die­se Stra­fe als krass über­setzt und setz­te sie auf CHF 800’000 her­ab.

Das BGer schützt die­ses Urteil. Das HGer hat­te kor­rekt die Inter­es­sen der Par­tei­en zum Zeit­punkt der Ver­trags­ver­let­zung gewür­digt, nament­lich das Ver­hält­nis des tat­säch­li­chen Scha­dens zum von den Par­tei­en vor­aus­ge­se­he­nen Scha­den. Es obliegt der Beklag­ten, die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer Her­ab­set­zung (OR 163 III) zu behaup­ten und zu bewei­sen, doch kann die Klä­ge­rin ange­hal­ten wer­den, ihren Scha­den zu bezif­fern, da der Klä­ge­rin eine sol­che Bezif­fe­rung oft nicht mög­lich ist. Unter­lässt sie dies, kann sie sich nicht auf das — anson­sten beacht­li­che — Risi­ko beru­fen, es droh­ten in Zukunft wei­te­re Schä­den, deren Ver­mei­dung eine höhe­re Kon­ven­tio­nal­stra­fe recht­fer­tig­ten. Im kon­kre­ten Fall ent­stand der Klä­ge­rin aus der Ver­zö­ge­rung ausser gewis­sen Mehr­ko­sten kein (sub­stan­ti­ier­ter) Scha­den. Daher und ange­sichts des gerin­gen Ver­schul­dens der Beklag­ten an der Vrzö­ge­rung bezeich­ne­te das BGer die Her­ab­set­zung der Kon­ven­tio­nal­stra­fe um rund 55% nicht als sto­ssend.

Lesens­wert sind die Aus­füh­run­gen des BGer zu Ein­tre­tens­vor­aus­set­zun­gen (BGG 100 IV; vgl. dazu auch die Bei­trä­ge des KunzO­Blog hier und hier).

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.