BEHG 20 I begrün­det eine bör­sen­recht­li­che Mel­de­pflicht, wenn durch Erwerb oder Ver­äu­sse­rung von Akti­en (oder Erwerbs- oder Ver­äu­sse­rungs­rech­ten bezüg­lich Akti­en) einer an der SIX wenig­stens teil­wei­se kotier­ten Gesell­schaft mit Sitz in der Schweiz bestimm­te Stimm­an­tei­le erreicht, über- oder unter­schrit­ten wer­den, auf direk­te oder indi­rek­te Wei­se oder in Abspra­che mit Drit­ten. Das BGer legt die­se Bestim­mung so aus, dass es nicht auf das for­mel­le Eigen­tum an den frag­li­chen Akti­en, die einen grenz­wer­ti­gen Stim­men­an­teil ver­mit­teln, ankommt. Es genügt viel­mehr, wenn der Mel­de­pflich­ti­ge “jeder­zeit die Akti­en mit den ent­spre­chen­den Stimm­rech­ten an sich zie­hen” kann, “um damit auf einen Schlag eine erheb­li­che oder sogar beherr­schen­de Betei­li­gung […] zu errei­chen.” Genau auf sol­che Ereig­nis­se sei die Mel­de­pflicht aus­ge­rich­tet. Das zeigt sich laut BGer beson­ders in BEHV-FINMAIII, der auf die wirt­schaft­li­che — und nicht for­ma­le — Berech­ti­gung abstellt.

Dies ent­schied das BGer in einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der (kotier­ten) Imp­le­nia AG und der Laxey-Grup­pe, die auf ein unfreund­li­ches Über­nah­me­an­ge­bot der Laxey-Grup­pe zurück­geht. Die Laxey-Grup­pe hat sich zum Auf­bau einer Betei­li­gung an der Imp­le­nia eines in der Schweiz neu­en Finanz­in­stru­ments bedient, sog. “con­tracts for dif­fe­rence” oder CFDs — Deri­va­te, die die Mög­lich­keit eröff­ne­ten, jeden­falls indi­rekt Weg die frag­li­chen Akti­en bei Ver­fall des Deri­vats zu erwer­ben (das BGer umschreibt den Inhalt von CFDs näher, E. 5.4). Auch in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen müs­se die gesetz­lich gefor­der­te Trans­pa­renz geschaf­fen wer­den. Die­se Aus­le­gung ver­sto­sse nicht gegen das Bestimmt­heits­ge­bot, weil “durch­aus erkenn­bar” sei, was der Gesetz­ge­ber mit der Rege­lung des indi­rek­ten Erwerbs mein­te. Dem ste­he schliess­lich der spä­te­re Erlass von BEHG 20 IIbis nicht ent­ge­gen: Zwar sei die­se Bestim­mung gera­de als Reak­ti­on auf den vor­lie­gen­den Fall erlas­sen wor­den, doch kön­ne dar­aus nicht geschlos­sen wer­den, dass die ent­spre­chen­de Regel nicht bereits vor­her gegol­ten habe (BEHG 20 IIbis ist in die­sem Sin­ne eine Prä­zi­sie­rung und nicht eine Ände­rung der Rechts­la­ge).

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.