Die Asso­cia­ti­on inter­pro­fes­si­on­nel­le de la Damas­si­ne ersuch­te erfolg­reich um Ein­tra­gung der Bezeich­nung “Damas­si­ne” als geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung (Appel­la­ti­on d’origine con­trôlée, AOC) für einen Obst­brand, der aus­schliess­lich im Kan­ton Jura erzeugt und abge­füllt wird, wobei nur Früch­te von Damas­si­ne-Bäu­men ver­wen­det wer­den sol­len. Es gin­gen meh­re­re Ein­spra­chen ein; Gril­let­te, Domai­ne de Cres­sier SA zog die ihre vor BVerw­Ger, erfolg­los, und dann vor das BGer. Sie behaup­te­te, im Kan­ton Neu­en­burg Obst­brand unter der Bezeich­nung “Damas­si­ne” zu pro­du­zie­ren, was sie auf­grund der Ein­tra­gung “Damas­si­ne” als AOC in Zukunft nicht mehr kön­ne. Das BGer weist die Beschwer­de ab.

Die Ein­tra­gung als geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung setzt vor­aus, dass die zu schüt­zen­de Bezeich­nung und das Erzeug­nis einen engen Bezug zu die­ser Regi­on oder Ort­schaft auf­wei­sen, der durch ste­ten Gebrauch wäh­rend einer gewis­sen Zeit her­ge­stellt wur­de. Die Bezeich­nung muss dadurch so bekannt sein, dass sie als indi­rek­ter Hin­weis auf die betref­fen­de Regi­on bzw. den Ort wahr­ge­nom­men wird. Die Beschwer­de­füh­re­rin bestritt, dass “Damas­si­ne” als tra­di­tio­nel­le Bezeich­nung iSv GUB/GGAII ein­ge­tra­gen wer­den kön­ne, weil die­ser für eine Pflau­mensor­te ste­he; ein geo­gra­pi­scher Bezug allein zum Kt. Jura bestehe nicht. Das BGer ver­weist hier auf die Aus­füh­run­gen der Vor­in­stan­zen, wonach “Damas­si­ne” als tra­di­tio­nel­les Pro­dukt allein aus dem Kan­ton Jura stam­me; die dor­ti­ge Pro­duk­ti­on rei­che über die Mit­te des 20. Jahr­hun­derts zurück. Zudem lag eine Mei­nungs­um­fra­ge vor; die Mehr­zahl der befrag­ten Per­so­nen ord­ne­te den Begriff “Damas­si­ne” einem Obst­brand aus dem Jura bzw. Kan­ton Jura zu. 

Auch der Hin­weis, auch andern­orts wür­de Damas­si­ne her­ge­stellt, ver­fing nicht. Dar­aus, dass Damas­si­ne-Bäu­me auch ausser­halb des Kan­tons Jura zu fin­den sei­en, sei nicht zu schlie­ssen, dass auch dort tra­di­tio­nell ein ver­gleich­ba­rer Obst­brand her­ge­stellt wer­de. Zudem ver­bie­te die Ein­tra­gung als AOC nicht, aus Damas­si­ne-Pflau­men Obst­band her­zu­stel­len; er dür­fe ledig­lich nicht als “Damas­si­ne” bezeich­net wer­den.

Auch eine Täu­schungs­ge­fahr (vgl. GUB/GGA 4b I) lag nicht vor, weil Damas­si­ne-Pflau­men ausser­halb des Kon­tex­tes des Obst­brands nicht mit “Damas­si­ne” bezeich­net wer­den.

Zuletzt stand Art. 82 IV der Ver­ord­nung des EDI über alko­ho­li­sche Geträn­ke der Ein­tra­gung nicht ent­ge­gen. Zwar ver­pflich­tet die­se Bestim­mung dazu, Obst­brän­de als “[Frucht]-Brand“zu bezeich­nen, doch da die Damas­si­ne-Pflau­me auch anders genannt wer­de, ste­he der Schutz von “Damas­si­ne” einer kor­rek­ten Bezeich­nung nicht ent­ge­gen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.