Der Che­mie­in­ge­nieur Chri­sti­an de Sie­ben­thal war von 1978 bis 2001 war beim den Gen­fer Brand- und Zivil­schutz (“SIS”) ange­stellt, wobei sei­ne Auf­ga­be u.a. dar­in bestand, den Gui­de Oran­ge, ein (hier für CHF 725 zu bestel­len­des) Ver­zeich­nis gefähr­li­cher Stof­fe und ent­spre­chen­der Schutz­mass­nah­men, zu erstel­len. Der Gui­de Oran­ge wur­de 1985, 1992 und 2003 neu auf­ge­legt, wobei sei­ne Urfas­sung auf einen Ent­wurf eines frü­he­ren Lei­ters des SIS zurück­ging.

Als de Sie­ben­thal 2004 erfuhr, dass die Her­aus­ga­be und Ver­wer­tung des Gui­de Oran­ge einem Drit­ten anver­traut wer­den soll­te, ver­lang­te er vom Kom­man­dan­ten des SIS, den Gui­de Oran­ge auf eige­ne Rech­nung und als Inha­ber der Urhe­ber­rech­te wei­ter­füh­ren zu dür­fen. Nach­dem die Stadt Genf die­ses Begeh­ren abge­lehnt hat­te, klag­te de Sie­ben­thal schliess­lich auf Fest­stel­lung sei­ner Urhe­ber­ei­gen­schaft iSv URG 61. Die Vor­in­stan­zen wie­sen die Kla­ge ab. Das BGer heisst die Beschwer­de dage­gen teil­wei­se gut.

Strit­tig war zunächst die Ver­wir­kung der Urhe­ber­rech­te. Nach der Recht­spre­chung kön­nen Imma­te­ri­al­gü­ter­rech­te bei ver­zö­ger­ter Aus­übung nach ZGBII ver­wir­ken (zB 4C.371/2005, E. 3.1), falls eine Rechts­ver­let­zung wäh­rend län­ge­rer Zeit wider­spruchs­los gedul­det wur­de und der Ver­let­zer in die­ser Zeit eine schutz­wür­di­ge Posi­ti­on erlangt hat. Aller­dings kann eine sol­che Ver­wir­kung nur eine Lei­stungs­kla­ge (URG 62) erfas­sen; im Rah­men der Fest­stel­lungs­kla­ge ist nur das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se zu prü­fen. Der Zeit­ab­lauf kann in die­sem Zusam­men­hang aber den­noch berück­sich­tigt wer­den, indem das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se bei ver­zö­ger­ter Rechts­aus­übung ent­fal­len kann. Vor­lie­gend traf das indes­sen nicht zu: Die lang­jäh­ri­ge Untä­tig­keit de Sie­ben­t­hals fiel nicht in Gewicht, da der SIS die Urhe­ber­schaft bis anhin nie bean­sprucht hat­te und daher nie ein Anlass zur Kla­ge bestan­den hat­te. Zeit­ab­lauf allein kann nicht zum Weg­fall des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses füh­ren, weil der Anspruch auf Aner­ken­nung der Urhe­ber­ei­gen­schaft ein Per­sön­lich­keits­recht ist und daher untrenn­bar mit der Per­son ver­bun­den bleibt

Mit Bezug auf die Urhe­ber­schaft de Sie­ben­t­hals war unbe­strit­ten, dass der Gui­de Oran­ge Werk­ei­gen­schaft iSv URG 2 besitzt. Die Vor­in­stanz hat­te die Urhe­ber­schaft aber ver­neint, weil de Sie­ben­thal ledig­lich auf Anwei­sung sei­nes Vor­ge­setz­ten und daher ohne eige­nen schöp­fe­ri­schen Bei­trag gehan­delt habe. Das BGer weist die­ses Argu­ment zurück, weil sich aus den Akten nichts der­glei­chen ergab. De Sie­ben­thal war daher als Mit­ur­he­ber anzu­er­ken­nen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.