In einem von einer Stu­den­tin der Uni­ver­si­tät Bern (Rechts­wiss. Fakul­tät) ange­streng­ten Ver­fah­ren zur Kor­rek­tur einer Note hielt das BGer fest, dass ein­zel­ne Noten anfecht­bar sind, wenn sie das Gesamt­prä­di­kat beein­flus­sen. Hier hat­te die Kan­di­da­tin für ihre Master­ar­beit die Note 5,0 und das Gesamt­prä­di­kat “magna cum lau­de” erhal­ten. Da sie bei einer Bewer­tung der Master­ar­beit mit der Note 5,5 das Prä­di­kat “sum­ma cum lau­de” erzielt hät­te, konn­te sie die Beno­tung der Master­ar­beit anfech­ten.

In der Sache blieb die Beschwer­de erfolg­los. Eine gewis­se Zurück­hal­tung bei der (inhalt­li­chen) Über­prü­fung einer Note ist gerecht­fer­tigt, und Anhalts­punk­te für eine kras­se Fehl­ein­schät­zung lagen hier nicht vor; das Argu­ment, die Vor­in­stanz habe ihre Kogni­ti­on nicht aus­ge­schöpft, drang daher nicht durch. Aus dem glei­chen Grund muss­te die Vor­in­stanz kein Gut­ach­ten ein­ho­len — und es“kann durch­aus mit­be­rück­sich­tigt wer­den, dass eine rechts­wis­sen­schaft­li­che Master­ar­beit zur Dis­kus­si­on steht und davon aus­zu­ge­hen ist, dass auch das Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Bern über ent­spre­chen­de Fach­kennt­nis­se ver­fügt” (Titel der Arbeit: “Das Ver­bot des Rechts­miss­brauchs im euro­päi­schen Gemein­schafts­recht — Eine Stu­die zum Fall­recht des EUGH”). Da die Bewer­tung der Arbeit auch nicht will­kür­lich war, wur­de die Beschwer­de abge­wie­sen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.