Das BGer fasst im vor­lie­gen­den Urteil sei­ne Recht­spre­chung zu den Vor­aus­set­zun­gen von Mob­bing zusam­men. Dazu gehö­ren wäh­rend einer gewis­sen Zeit häu­fig wie­der­hol­te, feind­se­li­ge Hand­lun­gen einer oder meh­re­rer Per­so­nen mit dem Ziel, den Betrof­fe­nen am Arbeits­platz zu iso­lie­ren oder aus­zu­schlie­ssen. Die ein­zel­nen Hand­lun­gen kön­nen für sich genom­men gering­fü­gig sein,  in ihrer Gesamt­heit aber Desta­bi­li­sie­rung der Per­sön­lich­keit bewir­ken, die bis zur beruf­li­chen Ver­nich­tung (“éli­mi­na­ti­on pro­fes­si­on­nel­le”) gehen kann. Im vor­lie­gen­den Fall waren die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt.
Der Arbeit­ge­ber hat­te einer Ange­stell­ten wie­der­holt gedroht, zB “de lui cas­ser ou de lui exp­lo­ser la tête“oder sie zu “jeter dehors com­me un chi­en à coups de pied dans le cul”. Er hat­te zudem häu­fi­ge Über­stun­den ver­langt, Gegen­stän­de gewor­fen und der Ange­stell­ten Vor­wür­fe bezüg­lich ihrer Arbeits­lei­stung gemacht.

Mob­bing lag den­noch nicht vor, weil die Hand­lun­gen nicht nur die Klä­ge­rin getrof­fen hat­ten, son­dern auch eine ande­re Ange­stell­te, nach der er ein Stück ver­brann­ten Toasts gewor­fen hat­te, weil die Klä­ge­rin zwar das Haupt­op­fer, aber offen­bar bis zu einem gewis­sen Grad mit­schul­dig auf­grund “la for­te per­son­na­lité et le carac­tè­re affir­mé”, weil die Angrif­fe des Vor­ge­setz­ten des­halb als Teil und Aus­druck eines Kon­flikts zu sehen waren (und nicht als  Iso­lie­rung der Ange­stell­ten) und weil nicht erwie­sen war, dass die Vor­wür­fe an ihre Adres­se unbe­rech­tigt waren.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.