Die schwei­ze­ri­sche Post hat­te Kon­to­be­zie­hun­gen mit meh­re­ren Par­tei­en, die dubio­sen Geschäfts­ak­ti­vi­tä­ten (Ange­bo­te von Adress­re­gi­ster­ein­trä­gen) nach­gin­gen, mit dem Hin­weis gekün­digt, eine “Ana­ly­se Ihres Kun­den­dos­siers hat erge­ben, dass sich unse­re Aus­rich­tung nicht mit Ihrem Pro­fil und Ihren Geschäfts­ak­ti­vi­tä­ten deckt und / oder dass wir unse­re Sorg­falts­pflicht nicht mehr wahr­neh­men kön­nen”. Strit­tig war das Kün­di­gungs­recht der Post, das die Post aus ihren AGB abge­lei­tet hat­te.

Wie das BGer fest­stell­te, ver­stösst das jeder­zei­ti­ge Kün­di­gungs­recht der Post
gegen die PG 2 I, wonach die Post ver­pflich­tet ist, eine flä­chen­decken­de Grund­ver­sor­gung mit Post- und Zah­lungs­ver­kehrs­dienst­lei­stun­gen sicher­zu­stel­len. Zum Uni­ver­sal­dienst gehört auch der Zah­lungs­ver­kehr (vgl. PGII i.V.m. VPG 3 e). Hier besteht daher ein Kon­tra­hie­rungs­zwang (vgl. dazu auch den VgT-Fall, BGE 129 III 35).

Zu prü­fen war aber eine Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund. Die Post hat­te u.a. ange­führt:

Die rechts­kräf­ti­ge Fest­stel­lung, dass die Beschwer­de­geg­ne­rin­nen (offen­bar plan­mä­ssig) frag­li­che Geschäfts­prak­ti­ken pfleg­ten in Ver­bin­dung mit dem dro­hen­den Image­scha­den mache der Post die Fort­füh­rung der Geschäfts­be­zie­hung unzu­mut­bar und stel­le einen wich­ti­gen Grund für die Ver­trags­auf­lö­sung dar”

Das BGer ver­neint dage­gen das Vor­lie­gen eines wich­ti­gen Grun­des. Ein straf­ba­res Ver­hal­ten lie­ge nicht vor (meh­re­re Straf­ver­fah­ren waren ein­ge­stellt wor­den; eine Ver­let­zung von UWG 2 ist nicht straf­bar; eine gegen Adress­buch­schwind­ler gerich­te­te UWG-Ände­rung — vgl. hier — ist noch nicht in Kraft). Wenn kein straf­ba­res Ver­hal­ten vor­lie­ge, wäre eine Durch­bre­chung des gesetz­li­chen Kon­tra­hie­rungs­zwangs indes höch­stens zurück­hal­tend anzu­neh­men.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.