Im einem Ver­fah­ren des Club Atlé­ti­co de Madrid SAD gegen Sport Lis­boa E Ben­fi­ca Fute­bol SAD und die FIFA heisst das BGer ein Urteil des CAS wegen Ver­let­zung des Ord­re Public gut. 
Im Sep­tem­ber 2000 war der Spie­ler Dani­el da Cruz Car­val­ho von Ajax zu Lis­sa­bon gewech­selt. Er kün­dig­te sei­nen Ver­trag in der sel­ben Sai­son frist­los und wech­sel­te zu Madrid. In der Fol­ge ver­lang­te Lis­sa­bon von Madrid Aus­bil­dungs- und För­de­rungs­ent­schä­di­gung gestützt auf das damals gel­ten­de FIFA-Regle­ment bezüg­lich Sta­tus und Trans­fer von Spie­lern gel­tend und erhielt vom Spe­cial Com­mit­tee der FIFA eine Ent­schä­di­gung von USD 2.5 Mio. für die Aus­bil­dung und För­de­rung von da Cruz Car­val­ho zuge­spro­chen. Das HGer ZH erkann­te die­ses Regle­ment in der Fol­ge als wett­be­werbs­wid­rig und den Ver­eins­be­schluss der FIFA als nich­tig. Das Urteil des HGer blieb unan­ge­foch­ten.

Lis­sa­bon und die FIFA ver­ein­bar­ten dar­auf­hin, im Jahr 2004, dass die FIFA den Ent­scheid des HGer ZH berück­sich­ti­gen wer­de, falls Lis­sa­bon erneut Ansprü­che in der­sel­ben Ange­le­gen­heit gegen Madrid gel­tend machen soll­te. Im Okto­ber 2004 ersuch­te Lis­sa­bon due FIFA erneut um einen Ent­scheid über eine Aus­bil­dungs- und För­de­rungs­ent­schä­di­gung. Die FIFA wies das Begeh­ren 2008 ab. 

Das von Lis­sa­bon ange­ru­fe­ne TAS ver­pflich­te­te Madrid dar­auf­hin den­noch gestützt auf das erwähn­te FIFA-Trans­ferre­gle­ment, Lis­sa­bon eine Ent­schä­di­gung von EUR 400’000 zu zah­len. Dage­gen heisst das BGer eine Beschwer­de von Madrid gut.

Das TAS hat­te das Prin­zip der mate­ri­el­len Rechts­kraft ver­kannt und dadurch den ord­re public ver­letzt. Sowohl das Ver­fah­ren vor HGer ZH im Jahr 2004 als auch das Ver­fah­ren vor dem TAS 2008 betra­fen den Ver­eins­be­schluss über den Anspruch auf Zuspre­chung einer Aus­bil­dungs- und För­de­rungs­ent­schä­di­gung. Dass das erste Ver­fah­ren vor dem HGer ZH und das zwei­te vor dem TAS geführt wur­de, ändert dar­an nichts:

In den bei­den Ver­fah­ren vor dem Han­dels­ge­richt des Kan­tons Zürich sowie dem TAS war jeweils die Recht­mä­ssig­keit der Ent­schei­dung des FIFA-Spe­cial Com­mit­tee über die von der Beschwer­de­geg­ne­rin gegen­über der Beschwer­de­füh­re­rin gel­tend gemach­te Aus­bil­dungs- und För­de­rungs­ent­schä­di­gung für den Spie­ler X. [Dani­el da Cruz Car­val­ho] zu beur­tei­len. Das Han­dels­ge­richt erklär­te den auf das FIFA-Trans­ferre­gle­ment 1997 gestütz­ten ersten Ent­scheid des FIFA-Spe­cial Com­mit­tee […] für nich­tig, da er auf einem Trans­ferre­gle­ment beru­he, das unter ande­rem wegen Ver­let­zung des euro­päi­schen sowie des schwei­ze­ri­schen Wett­be­werbs­rechts nich­tig sei. Trotz grund­sätz­lich kas­sa­to­ri­scher Natur der in Art. 75 ZGB vor­ge­se­he­nen Anfech­tungs­kla­ge ist das zustän­di­ge Ver­eins­or­gan an die Erwä­gun­gen des Urteils, mit dem der ange­foch­te­ne Ver­eins­be­schluss auf­ge­ho­ben wird, gebun­den […]. Umso mehr hat­te das FIFA-Spe­cial Com­mit­tee das han­dels­ge­richt­li­che Urteil zu beach­ten, mit dem sein Ent­scheid wegen nich­ti­ger Rechts­grund­la­ge nicht bloss auf­ge­ho­ben, son­dern für nich­tig erklärt wur­de […], und es konn­te nicht ange­hen, der Beschwer­de­geg­ne­rin in einem neu­er­li­chen Ent­scheid gestützt auf das­sel­be FIFA-Trans­ferre­gle­ment 1997 den­noch eine Aus­bil­dungs- und För­de­rungs­ent­schä­di­gung für den Spie­ler X. zuzu­spre­chen. Ent­spre­chend wies das FIFA-Spe­cial Com­mit­tee das erneu­te Begeh­ren der Beschwer­de­geg­ne­rin, es sei ihr zu Lasten der Beschwer­de­füh­re­rin eine Ent­schä­di­gung für die Aus­bil­dung und/oder För­de­rung des Spie­lers X. zuzu­spre­chen, mit Ent­scheid vom 14. Febru­ar 2008 im Ergeb­nis fol­ge­rich­tig ab. Das dar­auf­hin ange­ru­fe­ne TAS auf­er­leg­te der Beschwer­de­füh­re­rin dem­ge­gen­über gestützt auf Art. 14 des FIFA-Trans­ferre­gle­ments 1997 eine Ent­schä­di­gung von EUR 400’000. – , wobei es deren Höhe in hilfs­wei­ser Anwen­dung von Art. 42 Abs. 2 OR fest­setz­te. Damit setz­te es sich über das Urteil des Han­dels­ge­richts des Kan­tons Zürich vom 21. Juni 2004 hin­weg, das die Ver­pflich­tung der Beschwer­de­füh­re­rin zur Zah­lung einer Aus­bil­dungs- und För­de­rungs­ent­schä­di­gung gestützt auf das FIFA-Trans­ferre­gle­ment 1997 durch das FIFA-Spe­cial Com­mit­tee für nich­tig erklär­te.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.