Die Klä­ge­rin (Mar­ghe­ri­ta Agnel­li de Pah­len) klag­te in Genf gegen eine Gen­fer Bank und eine luxem­bur­gi­sche Bank mit Zweig­nie­der­las­sung in Genf auf Rechen­schafts­ab­la­ge über Bank­be­zie­hun­gen mit ihrem ver­stor­be­nen Vater, Gian­ni Agnel­li. Die luxem­bur­gi­sche Bank mach­te die Unzu­stän­dig­keit des ange­ru­fe­nen Gerichts ratio­ne loci gel­tend. Die Gen­fer Gerich­te bejah­ten die Zustän­dig­keit nach LugÜ 5 Ziff. 5. Das BGer weist die Beschwer­de der Bank ab und bejaht die Zustän­dig­keit. Das Bestehen von Bezie­hun­gen zwi­schen der Zweig­nie­der­las­sung und dem Erb­las­ser war als dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­che nicht im Ein­tre­tens­sta­di­um zu prü­fen.

Das BGer nutz­te die­se Gele­gen­heit, Stel­lung zur Fra­ge zu neh­men, wie dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen im Ein­tre­tens­sta­di­um zu behaup­ten oder wahr­schein­lich zu machen sind. Es schloss sich der neue­ren Leh­re an und stell­te klar, dass kei­ne Glaub­haft­ma­chung ver­langt wird, son­dern ledig­lich schlüs­si­ges Behaup­ten. Eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit sei nur in Aus­nah­me­fäl­len erfor­der­lich:

L’exigence d’une « cer­tai­ne vrai­sem­blan­ce », selon le libel­lé de quel­ques arrêts du Tri­bu­nal fédé­ral, ne fait réfé­rence qu’à ces hypo­thè­ses excep­ti­on­nel­les où la thè­se de la deman­de appa­raît d’emblée spé­cieu­se ou incohé­ren­te, ou, sinon, se trouve réfu­tée immé­dia­te­ment et sans équi­vo­que par la répon­se et les docu­ments de la par­tie défen­der­es­se. Cet­te exi­gence pro­tè­ge cet­te par­tie-ci, le cas échéant, cont­re une ten­ta­ti­ve abusi­ve, qui pro­cé­de­rait d’un abus de droit, de l’attraire au for choi­si par l’autre par­tie […]. Il demeu­re donc que même au degré de la simp­le vrai­sem­blan­ce, la preuve des faits dou­ble­ment per­ti­nents n’est pas requi­se au sta­de d’une déci­si­on sépa­rée sur la com­pé­tence.”

Im vor­lie­gen­den Fall hät­te die Vor­in­stanz sich des­halb nicht fra­gen müs­sen, ob ein Man­dat von Gian­ni Agnel­li wahr­schein­lich war:

Il suf­fi­sait de con­stater qu’une par­eil­le éven­tua­lité ne pré­sen­te en elle-même rien d’impossible et que rien, non plus, ne déno­te une ten­ta­ti­ve d’attraire abusi­ve­ment la défen­der­es­se devant les tri­bu­naux gene­vois. Pour ce motif déjà, quant à l’ajournement de la preuve, la déci­si­on cri­ti­quée se révè­le con­for­me aux règles fédé­ra­les du droit de pro­cé­du­re civi­le inter­na­tio­nal”.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.