Der Pres­se­rat hat­te zur Fra­ge Stel­lung zu neh­men, ob Medi­en eine Infor­ma­ti­on (z.B. ein Bild) wei­ter­ver­brei­ten dür­fen, sobald die­se öffent­lich zugäng­lich gemacht wur­de. Nach Anhö­rung u.a. des Anwalt Manu­el Bian­chi del­la Por­ta ent­schied der Pres­se­rat, dass das öffent­li­che Inter­es­se gegen­über dem Anspruch auf Schutz der Pri­vat­sphä­re abzu­wä­gen ist und eine der Vor­aus­set­zun­gen iden­ti­fi­zie­ren­der Bericht­erstat­tung vor­lie­gen muss.

Dabei gilt die “Erklä­rung der Pflich­ten und Rech­te der Jour­na­li­stin­nen und Jour­na­li­sten” auch hier: Eine iden­ti­fi­zie­ren­de Bericht­erstat­tung sei zuläs­sig im Fall eines öffent­li­chen Auf­tritts oder der Ein­wil­li­gung der betrof­fe­nen Per­son, wenn die Per­son all­ge­mein bekannt ist und die Infor­ma­ti­on damit im Zusam­men­hang steht, wenn sie ein poli­ti­sches Amt aus­übt oder eine staat­lich oder gesell­schaft­lich lei­ten­den Funk­ti­on ein­nimmt; wenn andern­falls Ver­wechs­lungs­ge­fahr bestün­de oder auf­grund eines ande­ren über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­ses.

Zusam­men­fas­send hält der Pres­se­rat Fol­gen­des fest: 

1. Infor­ma­tio­nen und Doku­men­te, die für jeder­mann zugäng­lich ver­öf­fent­licht wer­den, sei es in sozia­len Netz­wer­ken wie Face­book, auf per­sön­li­chen Web­sites oder Blogs usw., sind der öffent­li­chen Sphä­re zuzu­rech­nen. Je nach Inhalt einer Infor­ma­ti­on kann die­se aber trotz­dem ihren pri­va­ten Cha­rak­ter behal­ten. Des­halb darf sie von ande­ren Medi­en nicht ohne Wei­te­res wei­ter­ver­brei­tet wer­den.
2. Im Ein­zel­fall sind Jour­na­li­sten ver­pflich­tet, die zur Dis­kus­si­on ste­hen­den Inter­es­sen (Recht der Öffent­lich­keit auf Infor­ma­ti­on; Schutz des Pri­vat­le­bens) sorg­fäl­tig abzu­wä­gen und sich zu ver­ge­wis­sern, ob eine der Vor­aus­set­zun­gen der iden­ti­fi­zie­ren­den Bericht­erstat­tung (Ein­wil­li­gung der betrof­fe­nen Per­son, Aus­übung einer lei­ten­den Funk­ti­on usw.) erfüllt ist. 
3. Bei die­ser Inter­es­sen­ab­wä­gung ist ent­schei­dend, in wel­chem Kon­text eine Infor­ma­ti­on ins Netz gestellt wird. Mit Kon­text ist gemeint: Natur der Web­site (Face­book, per­sön­li­cher Blog, Forum, insti­tu­tio­nel­le Web­site usw.), Iden­ti­tät des Autors (Unbe­kann­ter, öffent­li­che Per­son, Jour­na­list usw.) und soweit ersicht­lich die Inten­ti­on der Publi­ka­ti­on (gro­sses Publi­kum oder beschränk­ter Adres­sa­ten­kreis). Allein aus der Tat­sa­che, dass eine Infor­ma­ti­on oder ein Bild im Inter­net gefun­den wird, ist nicht abzu­lei­ten, dass der Urhe­ber in die Wei­ter­ver­brei­tung durch ein ande­res Medi­um ein­wil­ligt.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.