Bereits der rein ver­ba­le Wider­stand gegen die Vor­nah­me eines Dro­gen­schnell­test oder einer ande­ren Vor­un­ter­su­chung (vgl. Art. 10 Abs. 2 SKV) erfüllt den Tat­be­stand der Ver­ei­te­lung von Mass­nah­men zur Fest­stel­lung der Fahr­un­fä­hig­keit gemäss Art. 91a SVG, wie das Bun­des­ge­richt mit Urteil vom 2. Novem­ber 2010 (6B_680/2010) erkennt. Der Besc­wer­de­füh­rer hat­te die Abga­be einer Spei­chel­pro­be zur Ermitt­lung eines mög­li­chen Betäu­bungs­mit­tel­kon­sums ver­wei­gert, was zu einer län­ge­ren ver­ba­len Aus­ein­an­der­set­zung führ­te.

4.2.2 Sich im Sin­ne von Art. 91a SVG zu wider­set­zen bedeu­tet gemäss Leh­re, sich so zu ver­hal­ten, dass eine ange­ord­ne­te Mass­nah­me zur Fest­stel­lung der Fahr­un­fä­hig­keit zumin­dest vor­erst nicht voll­zo­gen wer­den kann. Die Anwen­dung von Gewalt ist nicht erfor­der­lich, viel­mehr genügt pas­si­ver Wider­stand […]. Zieht man Recht­spre­chung und Leh­re zum Begriff Hin­de­rung einer Amts­hand­lung gemäss Art. 286 StGBArt. 91a SVG gilt als Spe­zi­al­straf­tat­be­stand der Bestim­mung – hin­zu, wird deut­lich, dass nicht ver­langt wird, der Täter ver­un­mög­li­che die Hand­lung einer Amts­per­son gänz­lich. Es genügt, dass er deren Aus­füh­rung erschwert, ver­zö­gert oder behin­dert (BGE 127 IV 115 E. 2 mit Hin­wei­sen). Auch pas­si­ver Wider­stand setzt jedoch ein akti­ves Stör­ver­hal­ten mit einer gewis­sen Inten­si­tät vor­aus. Völ­li­ge Pas­si­vi­tät ist nicht aus­rei­chend […]. Die Bestim­mung unter­schei­det sich von Art. 285 StGB dadurch, dass der Täter weder Dro­hun­gen aus­stösst noch Gewalt anwen­det. Die Abgren­zung gegen­über dem Unge­hor­sam gegen amt­li­che Ver­fü­gun­gen gemäss Art. 292 StGB erfolgt dadurch, dass blo­sse Unfolg­sam­keit nicht genügt (BGE 127 IV 115 E. 2 mit Hin­wei­sen). […] Der Zweck von Art. 91a SVG und Art. 286 StGB ist dem­nach, eine rei­bungs­lo­se Durch­füh­rung von ange­ord­ne­ten Mass­nah­men bzw. Amts­hand­lun­gen zu gewäh­ren (BGE 103 IV 186 E. 2 mit Hin­weis). Mit wel­cher Hand­lung eine sol­che auf straf­ba­re Wei­se ver­hin­dert wird, ist im Ein­zel­fall zu bestim­men. Ver­langt wird jedoch eine gewis­se Inten­si­tät des Wider­stands.

Sie­he auch den Kurz­kom­men­tar zum Urteil (mit Hin­weis auf die erfor­der­li­che Auf­klä­rung über die Fol­gen der Ver­wei­ge­rung des Vor­tests nach Art. 13 Abs. 2 SKV) auf www​.straf​pro​zess​.ch.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.