Das BGer hat­te zu ent­schei­den, ob eine beglau­big­te Aus­fer­ti­gung einer deut­schen nota­ri­el­len Urkun­de mit Zwangs­voll­streckungs­un­ter­wer­fung – nach § 794 Abs. 1 Ziff. 5 der deut­schen ZPO ein Voll­streckungs­ti­tel – zur defi­ni­ti­ven Rechts­öff­nung berech­tigt. Nach LugÜ 50 sind “öffent­li­che Urkun­den, die in einem Ver­trags­staat auf­ge­nom­men und voll­streck­bar” sind, in ande­ren Ver­trags­staa­ten zu voll­strecken.

Der Beschwer­de­füh­rer mach­te aber gel­tend, es gehe vor­lie­gend um eine Urkun­de, deren Inhalt nie mate­ri­ell über­prüft wur­de, wes­halb die defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung gegen EMRK 6 Ziff. 1 und den Ord­re public ver­sto­sse. Das BGer weist dies zurück, obwohl (erst) die neue ZPO durch eine Ände­rung von SchKG 81 sofort beweis­ba­re Ein­wän­de gegen die mate­ri­el­le Berech­ti­gung voll­streck­ba­rer öffent­li­cher Urkun­den ein­füh­ren wird.

Nach herr­schen­der Ansicht ist bei voll­streck­ba­ren öffent­li­chen Urkun­den defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung zu gewäh­ren. Das BGer sieht ange­sichts des Wort­lauts von LugÜ 50 auch kei­ne ande­re Mög­lich­keit.

Der Umstand, dass die eid­ge­nös­si­sche ZPO die voll­streck­ba­re öffent­li­che Urkun­de im Bin­nen­ver­hält­nis ein­führt, aber mit zusätz­li­chen Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten, die auf die mate­ri­el­le Berech­ti­gung der For­de­rung zie­len (vgl. die Neu­fas­sung von SchKG 81 II; unten), macht die defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung nach gel­ten­dem Recht (also ohne die Ein­wen­dun­gen des neu­en Abs. 2) nicht ord­re public-wid­rig.

Das BGer lässt die Fra­ge, ob die Ein­wen­dun­gen nach revSchKG 81 II auch gegen aus­län­di­sche voll­streck­ba­re Urkun­den mög­lich sein wer­den, aus­drück­lich offen.

SchKG 81 wird ab dem 1. Janu­ar 2011 fol­gen­den Wort­laut haben:

Art. 81

1 Beruht die For­de­rung auf einem voll­streck­ba­ren Ent­scheid eines schwei­ze­ri­schen Gerichts oder einer schwei­ze­ri­schen Ver­wal­tungs­be­hör­de, so wird die defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung erteilt, wenn nicht der Betrie­be­ne durch Urkun­den beweist, dass die Schuld seit Erlass des Ent­scheids getilgt oder gestun­det wor­den ist, oder die Ver­jäh­rung anruft.
2 Beruht die For­de­rung auf einer voll­streck­ba­ren öffent­li­chen Urkun­de, so kann der Betrie­be­ne wei­te­re Ein­wen­dun­gen gegen die Lei­stungs­pflicht gel­tend machen, sofern sie sofort beweis­bar sind.
3 Ist ein Ent­scheid in einem andern Staat ergan­gen, so kann der Betrie­be­ne über­dies die Ein­wen­dun­gen gel­tend machen, die im betref­fen­den Staats­ver­trag oder, wenn ein sol­cher fehlt, im Bun­des­ge­setz vom 18. Dezem­ber 1987 über das Inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht vor­ge­se­hen sind.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.