Heu­te Mitt­woch, 1. Dezem­ber 2010, tritt eine Ände­rung des DSG in Kraft, die auf das Bun­des­ge­setz über die Umset­zung des Rah­men­be­schlus­ses 2008/977/JI über den Schutz von Per­so­nen­da­ten im Rah­men der poli­zei­li­chen und justi­zi­el­len Zusam­men­ar­beit in Straf­sa­chen zurück­geht (vgl. die Bot­schaft und unse­ren frü­he­ren Bei­trag). Die­ser Rah­men­be­schluss regelt den Schutz der Daten, die im Rah­men der durch Schen­gen begrün­de­ten poli­zei­li­chen und justi­zi­el­len Zusam­men­ar­beit bear­bei­tet wer­den. Durch die Ände­rung des DSG erfol­gen die erfor­der­li­chen Anpas­sun­gen aller­dings nicht nur für sol­che Daten, son­dern auch für inner­schwei­ze­ri­sche Daten­be­ar­bei­tun­gen.
Die Ände­run­gen betref­fen den Ingress und Art. 7a, 9, 14, 18a, 18b, 21 II b, 26, 26a, 26b, 30 I, 34 I und 38a. Ein Kurz­kom­men­tar zu den neu­en Bestim­mun­gen kann der Bot­schaft ent­nom­men wer­den — im Fol­gen­den ein Aus­zug:

  • Ingress: “Die Arti­kel 31bis Absatz 2, 64, 64bis und 85 Zif­fer 1 der alten Bun­des­ver­fas­sung  wer­den ersetzt durch die Arti­kel 95, 122 und 173 Absatz 2 BV. Arti­kel 95 BV räumt dem Bund eine  Recht­set­zungs­kom­pe­tenz in Bezug auf die pri­vat­wirt­schaft­li­che Erwerbs­tä­tig­keit ein und ent­spricht teil­wei­se Arti­kel 31bis Absatz 2 der alten Bun­des­ver­fas­sung. Arti­kel 122 BV behan­delt das Zivil­recht und ent­spricht Arti­kel 64 der Bun­des­ver­fas­sung von 1874. Arti­kel 173 Absatz 2 BV regelt die übri­gen Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen der Bun­des­ver­samm­lung und ent­spricht den frü­he­ren Arti­keln 84 und 85 Zif­fer 1. Arti­kel 64bis der alten Bun­des­ver­fas­sung ent­spricht Arti­kel 123 BV, der die Straf­ge­setz­ge­bung behan­delt. Die­se Bestim­mung ist ersatz­los zu strei­chen. Um die Ingres­se der Geset­ze zu ver­ein­heit­li­chen, ist näm­lich Arti­kel 123 BV nicht mehr anzu­ge­ben, wenn es nur um die Anpas­sung von Bestim­mun­gen des
    Neben­straf­rechts geht.”
  • Art. 7a: “Arti­kel 7a DSG befin­det sich im 2. Abschnitt des Daten­schutz­ge­set­zes, der all­ge­mei­ne Daten­schutz­be­stim­mun­gen ent­hält. Bei der Umset­zung von Arti­kel 16 des Rah­men­be­schlus­ses, wonach die betrof­fe­ne Per­son über jede Daten­be­schaf­fung infor­miert wer­den muss, ist zu unter­schei­den zwi­schen der Daten­be­ar­bei­tung durch natür­li­che oder juri­sti­sche Per­so­nen und der Daten­be­ar­bei­tung durch Bun­des­or­ga­ne. Die Ver­pflich­tung, die betrof­fe­ne Per­son über jede Daten­be­schaf­fung zu infor­mie­ren, gilt nicht für den Pri­vat­sek­tor, son­dern ledig­lich für den öffent­li­chen Sek­tor. Arti­kel 7a DSG, der die Infor­ma­ti­ons­pflicht bei der Beschaf­fung von beson­ders schüt­zens­wer­ten Per­so­nen­da­ten und Per­sön­lich­keits­pro­fi­len regelt, wird des­halb in den 3. Abschnitt ver­scho­ben, der das Bear­bei­ten von Per­so­nen­da­ten durch pri­va­te
    Inha­ber von Daten­samm­lun­gen behan­delt (neu­er Art. 14). Die­se Bestim­mung hat, vor­be­halt­lich eini­ger redak­tio­nel­ler Anpas­sun­gen, den­sel­ben Wort­laut wie Arti­kel 7a DSG. Für den öffent­li­chen Sek­tor wird im 4. Abschnitt (Bear­bei­ten von Per­so­nen­da­ten durch Bun­des­or­ga­ne) eine neue Bestim­mung ein­ge­fügt, die vor­sieht,
    dass die betrof­fe­ne Per­son über jede Beschaf­fung von Per­so­nen­da­ten zu infor­mie­ren ist (Art. 18a DSG). Die­ser Grund­satz wird durch eine Rei­he von Aus­nah­men ein­ge­schränkt (vgl. Kom­men­tar zu Art. 18b DSG).” 
  • Art. 9: “Die Auf­he­bung von Arti­kel 7a macht eine redak­tio­nel­le Anpas­sung von Arti­kel 9 nötig. Neu regelt die­se Bestim­mung nur noch die Ein­schrän­kun­gen des Aus­kunfts­rechts; die­se blei­ben unver­än­dert. Die Ein­schrän­kun­gen der Infor­ma­ti­ons­pflicht, die bis­her eben­falls Gegen­stand von Arti­kel 9 waren, wer­den für die pri­va­ten Inha­ber von Daten­samm­lun­gen neu in Arti­kel 14 Absatz 5 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 9 und  für den öffent­li­chen Sek­tor in Arti­kel 18a Absatz 4 und Arti­kel 18b gere­gelt.
    Der neue Absatz 3 ersetzt Arti­kel 111g Absatz 2 des Bun­des­ge­set­zes über die Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, Arti­kel 102f Absatz 2 des Asyl­ge­set­zes, Arti­kel 32h Absatz 2 des Waf­fen­ge­set­zes und Arti­kel 18d Absatz 2 des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes, die bei der Umset­zung der Richt­li­nie 95/46/EG im Bereich der Schen­ge­ner Zusam­men­ar­beit des ersten Pfei­lers erlas­sen wur­den. Der in Absatz 3 vor­ge­se­he­ne Grund­satz ist ins­künf­tig auf alle in den Anwen­dungs­be­reich des DSG fal­len­den Bear­bei­tun­gen durch Bun­des­or­ga­ne anwend­bar.
    Der neue Absatz 4 betrifft nur noch die Ein­schrän­kun­gen des Aus­kunfts­rechts für den pri­va­ten Sek­tor.
    Der neue Absatz 5 ent­spricht Arti­kel 9 Absatz 4 DSG. Der Ent­wurf sieht kei­ne Ände­rung vor. So wie heu­te muss der Inha­ber einer Daten­samm­lung den Grund ange­ben, wes­halb er die Aus­kunft ver­wei­gert, beschränkt oder ablehnt.”
  • Art. 14: “Die­se Bestim­mung ent­spricht dem bis­he­ri­gen Arti­kel 7a DSG. Sie regelt die Infor­ma­ti­ons­pflicht der pri­va­ten Inha­ber von Daten­samm­lun­gen. Da die Infor­ma­ti­ons­pflicht somit neu nicht mehr im 2. Abschnitt DSG gere­gelt ist und Arti­kel 9 DSG einen neu­en Rege­lungs­ge­gen­stand hat, wird ein neu­er Absatz 5 geschaf­fen, der
    vor­sieht, dass die Infor­ma­ti­ons­pflicht unter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen, wie sie in Arti­kel 9 Absät­ze 1 und 4 fest­ge­hal­ten sind, ein­ge­schränkt oder ver­wei­gert wer­den kann. Es han­delt sich um eine for­mel­le Neue­rung.
    Im Übri­gen ist auf die Erläu­te­run­gen zu Art. 7a der Bot­schaft des Bun­des­ra­tes vom 19. Febru­ar 2003 betref­fend die Revi­si­on des Daten­schutz­ge­set­zes hin­zu­wei­sen.”
  • Art. 18a: “Bestim­mung wer­den die Anfor­de­run­gen von Arti­kel 16 Absatz 1 des Rah­men­be­schlus­ses umge­setzt. Die­se Umset­zung, die sämt­li­che in den Anwen­dungs­be­reich des Daten­schutz­ge­set­zes fal­len­den Daten­be­ar­bei­tun­gen durch Bun­des­or­ga­ne ein­schliesst, ist des­halb nötig, weil bei der Daten­be­schaf­fung nicht immer abzu­se­hen ist, wel­che Daten im Rah­men der poli­zei­li­chen und justi­zi­el­len Schen­ge­ner Zusam­men­ar­beit Gegen­stand einer Bekannt­ga­be im Sin­ne des Rah­men­be­schlus­ses sein könn­ten. Indem die Infor­ma­ti­ons­pflicht auf sämt­li­che Beschaf­fun­gen von Per­so­nen­da­ten aus­ge­wei­tet wird, las­sen sich Lücken ver­mei­den. Arti­kel 18a Absatz 4 sieht jedoch vor, dass die Infor­ma­ti­ons­pflicht der Bun­des­or­ga­ne nament­lich ent­fällt, wenn die betrof­fe­ne Per­son bereits infor­miert wur­de, wenn die Spei­che­rung oder die Bekannt­ga­be der Daten aus­drück­lich im Gesetz vor­ge­se­hen ist (Bst. a) oder wenn die Infor­ma­ti­on nicht oder nur mit unver­hält­nis­mä­ssi­gem Auf­wand mög­lich ist (Bst. b). Die in Absatz 4 Buch­sta­ben a und b vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men ent­spre­chen denen nach Arti­kel 7a Absatz 4 DSG. Sie schrän­ken den Umfang der Aus­deh­nung der Infor­ma­ti­ons­pflicht erheb­lich ein. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Aus­nah­me nach Absatz 4 Buch­sta­be a, weil die Bekannt­ga­be durch Bun­des­or­ga­ne in den mei­sten Fäl­len auf einer gesetz­li­chen Grund­la­ge beruht.
    Bun­des­or­ga­ne haben nach Absatz 1 neu gene­rell nicht nur über die Beschaf­fung von beson­ders schüt­zens­wer­ten Per­so­nen­da­ten und Per­sön­lich­keits­pro­fi­len zu infor­mie­ren, son­dern über jede Beschaf­fung von Per­so­nen­da­ten. Sie haben die betrof­fe­ne Per­son von Amtes wegen und aktiv über jede sie betref­fen­de Bear­bei­tung zu infor­mie­ren, unab­hän­gig davon, ob es sich um Per­so­nen­da­ten oder um beson­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten han­delt; die betrof­fe­ne Per­son ist zu infor­mie­ren, ohne dass sie aus­drück­lich dar­um ersucht.
    Die Pflicht der Bun­des­or­ga­ne, eine Per­son über jede sie betref­fen­de Daten­be­schaf­fung zu infor­mie­ren, gilt heu­te nur für die Schen­ge­ner Zusam­men­ar­beit im Bereich des ersten Pfei­lers der EU. Sie kommt somit im Anwen­dungs­be­reich des Bun­des­ge­set­zes über die Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der (Art. 111e), des Asyl­ge­set­zes (Art. 102d), des Waf­fen­ge­setz (Art. 32g) und des Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz (Art. 18b) zu tra­gen.
    Gemäss Absatz 2 Buch­sta­be e ist der betrof­fe­nen Per­son unter ande­rem mit­zu­tei­len, wel­che Fol­gen es hat, wenn sie sich wei­gert, die ver­lang­ten Per­so­nen­da­ten bekannt­zu­ge­ben. Mit die­ser Bestim­mung wird eine bestehen­de Norm aus der Gesetz­ge­bung über­nom­men, die auf die Schen­ge­ner Zusam­men­ar­beit im Bereich des ersten Pfei­lers der EU anwend­bar ist50. Arti­kel 24 Absatz 1 der Ver­ord­nung vom 14. Juni 1993 zum Bun­des­ge­setz über den Daten­schutz (VDSG), der die glei­che Regel vor­sieht, ist dem­zu­fol­ge auf­zu­he­ben.
    Absatz 3 hat den glei­chen Wort­laut wie Absatz 3 von Arti­kel 7a DSG, und Absatz 4 ent­spricht Absatz 4 von Arti­kel 7a DSG. Im Übri­gen ist muta­tis mutan­dis auf den Kom­men­tar zu Arti­kel 7a der Bot­schaft des Bun­des­ra­tes vom 19. Febru­ar 2003 betref­fend die Revi­si­on des Daten­schutz­ge­set­zes hin­zu­wei­sen.
    Nach Arti­kel 3 Buch­sta­be h DSG umfasst der Begriff «Bun­des­or­gan» nicht nur Behör­den und Dienst­stel­len des Bun­des, son­dern auch Per­so­nen, soweit sie mit öffent­li­chen Auf­ga­ben des Bun­des betraut sind. Die grund­sätz­li­che Pflicht, die betrof­fe­nen Per­so­nen über jede Beschaf­fung von Per­so­nen­da­ten zu infor­mie­ren, könn­te die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Per­so­nen beein­träch­ti­gen, die gesetz­li­che Auf­ga­ben für die Eid­ge­nos­sen­schaft wahr­neh­men. Absatz 5 sieht des­halb vor, dass der Bun­des­rat die Infor­ma­ti­ons­pflicht auf die Beschaf­fung von beson­ders schüt­zens­wer­ten Per­so­nen­da­ten und von Per­sön­lich­keits­pro­fi­len beschrän­ken kann, wenn durch die Infor­ma­ti­ons­pflicht deren Wett­be­werbs­fä­hig­keit beein­träch­tigt wür­de. Von einer Beein­träch­ti­gung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit ist dann aus­zu­ge­hen, wenn das betrof­fe­ne Organ im direk­ten Wett­be­werb mit einer pri­va­ten Unter­neh­mung steht. Dies ist bei­spiels­wei­se nicht der Fall, wenn das Organ aus­schliess­lich gesetz­li­che Auf­ga­ben für die Eid­ge­nos­sen­schaft wahr­nimmt. In die­sem Fal­le hat sie betrof­fe­ne Per­so­nen über jede Daten­be­schaf­fung zu infor­mie­ren, es sei denn, die­se sei schon infor­miert wor­den, die Spei­che­rung oder Bekannt­ga­be der Daten sei aus­drück­lich im Gesetz vor­ge­se­hen oder die Infor­ma­ti­on sei nicht oder nur mit unver­hält­nis­mä­ssi­gem Auf­wand mög­lich (Abs. 4). Wenn der Bun­des­rat die Infor­ma­ti­ons­pflicht des Bun­des­or­gans nach Absatz 5 ein­schränkt, blei­ben dane­ben die Arti­kel 18a und 18b anwend­bar.
    Im Übri­gen kann muta­tis mutan­dis auf die Erläu­te­run­gen zu Arti­kel 7a der Bot­schaft des Bun­des­ra­tes vom 19. Febru­ar 200353 betref­fend die Revi­si­on des Daten­schutz­ge­set­zes hin­ge­wie­sen wer­den.”
  • Art. 18b: “Absatz 1 schreibt vor, dass die Infor­ma­ti­ons­pflicht unter den in Arti­kel 9 Absät­ze 1 und 2 genann­ten Vor­aus­set­zun­gen ein­ge­schränkt wer­den kann. Absatz 2 ersetzt Arti­kel 111g Absatz 2 des Bun­des­ge­set­zes über die Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, Arti­kel 102f Absatz 2 des Asyl­ge­set­zes, Arti­kel 32h Absatz 2 des Waf­fen­ge­set­zes und Arti­kel 18d Absatz 2 des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes, die bei der Umset­zung der Richt­li­nie 95/46/EG im Bereich der Schen­gen-Zusam­men­ar­beit des ersten Pfei­lers erlas­sen wur­den. Der in Absatz 2 vor­ge­se­he­ne Grund­satz kommt nun bei jeder Daten­be­ar­bei­tung durch Bun­des­or­ga­ne zum Tra­gen, die dem Daten­schutz­ge­setz unter­ste­hen.”
  • Art. 21 Abs. 2 Bst. b: “Die­se Bestim­mung setzt Arti­kel 4 Absatz 3 des Rah­men­be­schlus­ses um. Sie sieht eine zusätz­li­che Aus­nah­me von der Ver­pflich­tung vor, die vom Bun­des­ar­chiv als nicht archiv­wür­dig bezeich­ne­ten Per­so­nen­da­ten zu ver­nich­ten: Die Daten sind auch dann nicht zu ver­nich­ten, wenn sie zur Wah­rung der schutz­wür­di­gen Inter­es­sen der betrof­fe­nen Per­son auf­be­wahrt wer­den müs­sen. Gege­be­nen­falls dür­fen die Daten nur zu den Zwecken bear­bei­tet wer­den, die ihre Ver­nich­tung ver­hin­dert haben.”
  • Art. 26: “Um die Anfor­de­run­gen von Arti­kel 25 des Rah­men­be­schlus­ses umzu­set­zen und dabei der Kri­tik der Schen­gen-Exper­ten Rech­nung zu tra­gen, unser System bie­te kei­ne insti­tu­tio­nel­len Garan­ti­en für die Unab­hän­gig­keit des Beauf­trag­ten, sieht die Vor­la­ge eini­ge Ände­run­gen von Arti­kel 26 DSG vor. Nach Absatz 1 bedarf die Wahl des Beauf­trag­ten durch den Bun­des­rat der Geneh­mi­gung des Par­la­ments. Der Beauf­trag­te erhält dadurch zusätz­li­che Legi­ti­mi­tät, weil sei­ne Wahl nicht allein von der Exe­ku­ti­ve abhängt. Dies ist umso wich­ti­ger, als der Beauf­trag­te die Auf­sicht über die Bun­des­ver­wal­tung aus­übt. Damit wird ver­mie­den, dass für die Wahl des Beauf­trag­ten aus­schliess­lich die Behör­de zustän­dig ist, wel­che die Auf­ga­be hat, die der Auf­sicht des Beauf­trag­ten unter­stell­ten Orga­ne zu lei­ten. Da der Beauf­trag­te vom Bun­des­rat gewählt wird und admi­ni­stra­tiv der Bun­des­kanz­lei zuge­ord­net bleibt, kann er wei­ter­hin bei den ver­wal­tungs­in­ter­nen Ent­scheid­ver­fah­ren mit­wir­ken und über die Bun­des­kanz­le­rin oder den Bun­des­kanz­ler mit dem Bun­des­rat kom­mu­ni­zie­ren, was von Vor­teil ist (vgl. Art. 31 VDSG). Die Ände­rung von Arti­kel 26 DSG berück­sich­tigt auch die Kri­tik eines Gross­teils der Leh­re, dass die Wahl durch die Exe­ku­ti­ve kei­ne hin­rei­chen­den Garan­ti­en für die Unab­hän­gig­keit des Beauf­trag­ten bie­te. Die Geneh­mi­gung durch das Par­la­ment ist nach Ansicht des Bun­des­ra­tes ein guter Kom­pro­miss zwi­schen der heu­ti­gen Lösung und einer Wahl durch das Par­la­ment.
    Die Geneh­mi­gung des Par­la­ments ist nur für die Begrün­dung des Arbeits­ver­hält­nis­ses erfor­der­lich. Die Wie­der­wahl rich­tet sich nach einem neu­en Arti­kel 26a. Aus den Arti­keln 26 und 26a geht impli­zit her­vor, dass die Wie­der­wahl kei­ner erneu­ten Geneh­mi­gung bedarf. Geneh­migt das Par­la­ment die Wahl des Beauf­trag­ten nicht, muss der Bun­des­rat einen ande­ren Kan­di­da­ten wäh­len. Die Wahl wird somit erst nach der Geneh­mi­gung durch das Par­la­ment rechts­gül­tig. Der Beauf­trag­te wird für eine Amts­dau­er von vier Jah­ren gewählt. Danach kann sich die Amts­dau­er still­schwei­gend ver­län­gern (vgl. neu­er Art. 26a). Das Arbeits­ver­hält­nis rich­tet sich grund­sätz­lich nach dem Bun­des­per­so­nal­ge­setz vom 24. März 200055 (BPG), soweit das DSG nichts ande­res vor­sieht (Abs. 2), wie dies hin­sicht­lich der Ent­ste­hung und Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses der Fall ist.
    Der Beauf­trag­te und sein Per­so­nal bil­den eine dezen­tra­li­sier­te Ver­wal­tungs­ein­heit im Sin­ne von Arti­kel 2 Absatz 1 Buch­sta­be e BPG und von Arti­kel 2 Absatz 3 des Regie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 1997. Das Arbeits­ver­hält­nis des Sekre­ta­ri­ats des Beauf­trag­ten bestimmt sich somit nach dem BPG und nach des­sen Voll­zugs­be­stim­mun­gen, wie in Arti­kel 30 VDSG prä­zi­siert wird. 
    Der neue Absatz 3 schreibt kla­rer vor, dass der Beauf­trag­te sei­ne Funk­ti­on in völ­li­ger Unab­hän­gig­keit aus­übt und kei­nen Wei­sun­gen einer Behör­de unter­liegt. Ent­spre­chend der EU-Ter­mi­no­lo­gie wird im Fran­zö­si­schen der Begriff «auto­no­mie» durch «indé­pen­dance» ersetzt. Der erste Satz von Absatz 4 wird unver­än­dert aus dem bis­he­ri­gen Recht über­nom­men. Der zwei­te Satz prä­zi­siert, dass der Beauf­trag­te sein Per­so­nal anstellt. Dies ist bereits heu­te der Fall, auch wenn es im Geset­zes­text nicht expli­zit for­mu­liert ist. Die  admi­ni­stra­ti­ve Zuord­nung des Beauf­trag­ten zur Bun­des­kanz­lei könn­te jedoch das Gegen­teil ver­mu­ten las­sen. Der neue Absatz 5 sieht vor, dass die Ent­löh­nung des Beauf­trag­ten von der Beur­tei­lung sei­ner Lei­stun­gen unab­hän­gig ist. Die unab­hän­gi­ge Stel­lung des Beauf­trag­ten lie­sse sich mit einer Ent­löh­nung, die sich auf­grund der Beur­tei­lung sei­ner Lei­stun­gen bestimmt, schlecht ver­ein­ba­ren, weil kei­ne Behör­de einen Ein­fluss auf sei­ne Tätig­keit haben darf. Die Ent­wick­lung sei­nes Lohns rich­tet sich nach den Bestim­mun­gen, die für das auf Amts­dau­er gewähl­te Bun­des­per­so­nal gel­ten, das heisst nach Arti­kel 4 der Amts­dau­er­ver­ord­nung vom 17. Dezem­ber 2001. Das Bun­des­per­so­nal­recht wird der­zeit einer Revi­si­on unter­zo­gen. Daher ist die Vor­la­ge mit die­ser Revi­si­on zu koor­di­nie­ren.”
  • Art. 26a: “Der neue Arti­kel 26a regelt die Wie­der­wahl und die Been­di­gung der Amts­dau­er und bil­det eine Spe­zi­al­be­stim­mung, die von den Bestim­mun­gen des BPG abweicht (Art. 26 Abs. 2 DSG). Er sieht ins­be­son­de­re vor, dass der Bun­des­rat unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Nicht­wie­der­wahl oder die Amts­ent­he­bung des Beauf­trag­ten ver­fü­gen kann. In einem sol­chen Fall han­delt es sich nicht um eine Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses im Sin­ne von Arti­kel 12 BPG, son­dern um eine Nicht­wie­der­wahl­ver­fü­gung. Die Mass­nah­men nach den Arti­keln 14 und 19 BPG sind daher nicht anwend­bar.
    Nach Absatz 2 muss der Beauf­trag­te, wenn er die Amts­dau­er nicht ver­län­gern will, den Bun­des­rat sechs Mona­te vor­her davon in Kennt­nis set­zen. Er kann dies sowohl wäh­rend als auch auf das Ende einer Amts­dau­er hin tun. Die sechs­mo­na­ti­ge Frist ist erfor­der­lich, damit der Bun­des­rat die Wahl eines neu­en Beauf­trag­ten vor­be­rei­ten kann. Da die Wahl des Beauf­trag­ten der Geneh­mi­gung des Par­la­ments bedarf, muss sie früh genug erfol­gen, um zu ver­mei­den, dass die Stel­le des Beauf­trag­ten vakant bleibt. Die sechs­mo­na­ti­ge Frist kann jedoch im Ein­ver­neh­men zwi­schen den Par­tei­en ver­kürzt wer­den.
    Die Amts­dau­er wird still­schwei­gend um wei­te­re vier Jah­re ver­län­gert (Abs. 1). Die Nicht­wie­der­wahl bedarf jedoch einer Ver­fü­gung des Bun­des­ra­tes, die bis spä­te­stens sechs Mona­te vor Ablauf der Amts­dau­er erlas­sen wer­den muss. Für die Nicht­wie­der­wahl müs­sen sach­lich hin­rei­chen­de Grün­de vor­lie­gen. Gemeint sind Grün­de, wel­che die Unab­hän­gig­keit des Beauf­trag­ten nicht tan­gie­ren.
    Der Bun­des­rat kann den Beauf­trag­ten vor Ablauf der Amts­dau­er des Amtes ent­he­ben, aber nur, wenn einer der in Absatz 3 genann­ten Grün­de vor­liegt. Die­se Bestim­mung ent­spricht sinn­ge­mäss der­je­ni­gen, wel­che die Amts­ent­he­bung von Bun­des­rich­tern und Bun­des­rich­te­rin­nen regelt (vgl. Art. 10 des  Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Juni 2005 und Art. 10 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okto­ber 2002).
    Nicht­wie­der­wahl und Amts­ent­he­bung bedür­fen nicht der Geneh­mi­gung des Par­la­ments. Die restrik­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen für einen sol­chen Ent­scheid eben­so wie die Mög­lich­keit, direkt beim Ver­wal­tungs­ge­richt Beschwer­de ein­zu­le­gen, bie­ten hin­rei­chend Gewähr für die Unab­hän­gig­keit des Beauf­trag­ten.”
  • Art. 26b: “Für die Aus­übung einer ande­ren Beschäf­ti­gung, gleich­viel ob ent­gelt­lich oder unent­gelt­lich, braucht der Beauf­trag­te die Geneh­mi­gung des Bun­des­ra­tes. Aller­dings darf die­se Beschäf­ti­gung die Unab­hän­gig­keit und das Anse­hen des Beauf­trag­ten nicht beein­träch­ti­gen. Die For­mu­lie­rung von Arti­kel 26b lehnt sich an Arti­kel 7 Absatz 1 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Juni 2005 und an Arti­kel 7 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Juni 2005 an.” 
  • Art. 30: “Die Wahl des Beauf­trag­ten durch den Bun­des­rat bedarf der Geneh­mi­gung des Par­la­ments. Des­halb ist Arti­kel 30 so anzu­pas­sen, dass der Beauf­trag­te dem Par­la­ment Bericht erstat­ten muss. Er über­mit­telt den Bericht gleich­zei­tig dem Bun­des­rat.”
  • Art. 34: “Die­se Bestim­mung sank­tio­niert die Ver­let­zung der Aus­kunfts-, Mel­de- und Mit­wir­kungs­pflicht. Da die Infor­ma­ti­ons­pflicht der pri­va­ten Per­so­nen neu nicht mehr in Arti­kel 7a, son­dern in Arti­kel 14 gere­gelt ist (vgl. die Erläu­te­run­gen zu Art. 7a), muss Arti­kel 34 redak­tio­nell ange­passt wer­den (Erwäh­nung von Art. 14 statt Art. 7a).”
  • Art. 38a: “Die Vor­la­ge ent­hält eine Über­gangs­be­stim­mung zur Wahl des Beauf­trag­ten und zur Been­di­gung sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses. Die­se sieht vor, dass bis zum Ende der Legis­la­tur­pe­ri­ode, in der die­se Ände­rung in Kraft tritt, wei­ter­hin das bis­he­ri­ge Recht gilt.”
David Vasella

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RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.