Ärz­te und ihre Hilfs­per­so­nen, die Pati­en­ten­do­ku­men­ta­tio­nen an ein Staats­ar­chiv über­mit­teln oder die Über­mitt­lung ermög­li­chen, ver­let­zen das Arzt­ge­heim­nis und machen sich somit straf­bar gemäss Art. 321 StGB, da für die Wei­ter­ga­be der Daten kei­ne genü­gen­de gesetz­li­che Grund­la­ge besteht. Zu die­sem Schluss kommt das Bun­des­amt für Justiz (EJPD) in sei­nem Gut­ach­ten vom 30. Juni 2010.

Die Archi­vie­rung von Pati­en­ten­da­ten lie­sse sich allen­falls durch ein Gesetz recht­fer­ti­gen, das sich spe­zi­fisch an Ärz­te und ihre Hilfs­per­so­nen rich­tet. Da ein sol­ches Gesetz das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 13 Abs. 2 BV) ein­schrän­ken wür­de, wäre aber sorg­fäl­tig zu prü­fen, inwie­weit die Archi­vie­rung von Pati­en­ten­da­ten durch ein öffent­li­ches Inter­es­se gerecht­fer­tigt und ver­hält­nis­mä­ssig wäre (Art. 36 BV).

Das Gut­ach­ten des EJPD wur­de am 1. Dezem­ber 2010 in der VPB 3/2010, S. 87–90 unter der Nr. 2010.9 ver­öf­fent­licht.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.