Das BGer ändert sei­ne Pra­xis zur Grund­stück­ge­winn­steu­er. Das StHG lässt den Kan­to­nen zwar wei­ter­hin die Wahl zwi­schen dem dua­li­sti­schen System (Grund­stück­ge­win­ne des Pri­vat­ver­mö­gens unter­lie­gen der Grund­stück­ge­winn­steu­er, sol­che des Geschäfts­ver­mö­gens der ordent­li­chen Ein­kom­mens- und Gewinn­steu­er) und dem moni­sti­schen System (alle Grund­stück­ge­win­ne durch die Grund­stück­ge­winn­steu­er erfasst). Gewin­ne aus ausser­kan­to­na­lem Lie­gen­schaf­ten­han­del dür­fen aber im Bele­ge­heits­kan­ton nicht mehr mit der Grund­stück­ge­winn­steu­er erfasst wer­den, wenn der Kan­ton grund­sätz­lich dem dua­li­sti­schen System folgt, die Unter­stel­lung unter die Grund­stück­ge­winn­steu­er nur auf Immo­bi­li­en­be­sitz beru­hen wür­de und dies zugleich zu einer Ungleich­be­hand­lung füh­ren wür­de.

Bis­her hat­te es das BGer zuge­las­sen, dass auch Gewin­ne von Lie­gen­schaf­ten­händ­lern erfasst wer­den, wenn im betref­fen­den Kan­ton ledig­lich eine Steu­er­pflicht aus Grund­ei­gen­tum besteht (“ausser­kan­to­na­ler Lie­gen­schaf­ten­han­del”). In sei­ner jün­ge­ren Recht­spre­chung hat das BGer aber das Schlech­ter­stel­lungs­ver­bot und den Grund­satz der Besteue­rung nach der wirt­schaft­li­chen Lei­stungs­fä­hig­keit stär­ker gewich­tet, wie es im vor­lie­gen­den Urteil fest­hält.

Aus die­sem Grund ändert es sei­ne Pra­xis mit Bezug auf den ausser­kan­to­na­len Lie­gen­schaf­ten­han­del. Wenn der Kan­ton das dua­li­sti­sche System anwen­det (hier: Kan­ton Luzern), darf er Gewin­ne von ausser­kan­to­na­len juri­sti­schen Per­so­nen die Lie­gen­schaf­ten­han­del betrei­ben und im Kan­ton nur auf­grund ihres Immo­bi­li­en­be­sit­zes steu­er­bar sind, mit der Grund­stück­ge­winn­steu­er nicht mehr erfas­sen:

4.3 Soll der wirt­schaft­li­chen Lei­stungs­fä­hig­keit der Steu­er­pflich­ti­gen (Art. 127 Abs. 2 BV) bes­ser Rech­nung getra­gen und auch die Durch­set­zung des Schlech­ter­stel­lungs­ver­bots (Art. 127 Abs. 3 BV) sicher­ge­stellt wer­den, so kann […] an der Zuläs­sig­keit der unter­schied­li­chen Grund­stück­ge­winn­be­steue­rung des Lie­gen­schaf­ten­han­dels von ausser­kan­to­na­len juri­sti­schen Per­so­nen im Ver­gleich zu den im Kan­ton ansäs­si­gen juri­sti­schen Per­so­nen (vgl. E. 4.1. hier­vor) nicht län­ger fest­ge­hal­ten wer­den.
4.3.1 Der Kan­ton ist zwar frei, ob er Kapi­tal­ge­win­ne auf Lie­gen­schaf­ten des Geschäfts­ver­mö­gens nach dem dua­li­sti­schen System mit der all­ge­mei­nen Ein­kom­mens- oder Gewinn­steu­er erfas­sen will, oder ob er sie nach dem moni­sti­schen System wie pri­va­te Grund­stück­ge­win­ne der beson­de­ren Grund­stück­ge­winn­steu­er unter­wirft. […] Eine nach dem dua­li­sti­schen System kon­se­quent aus­ge­stal­te­te Grund­stück­ge­winn­steu­er darf aber kei­ne Gewin­ne von ausser­kan­to­na­len juri­sti­schen Per­so­nen, die Lie­gen­schaf­ten­han­del betrei­ben und nur auf­grund ihres Immo­bi­li­en­be­sit­zes (Geschäfts­ver­mö­gen) im Kan­ton steu­er­pflich­tig sind, erfas­sen. Eine sol­che Lösung […] ist mit dem Schlech­ter­stel­lungs­ver­bot bzw. dem Grund­satz der Besteue­rung nach der wirt­schaft­li­chen Lei­stungs­fä­hig­keit nicht (mehr) zu ver­ein­ba­ren […].”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.