Das BGer bestä­tigt ein Urteil des HGer ZH und gleich­zei­tig sei­ne Recht­spre­chung, dass

  • der Archi­tek­ten- und der Inge­nieur­ver­trag je nach den kon­kret ver­ein­bar­ten Ver­trags­pflich­ten ein Werk- und/oder ein Auf­trags­ver­trag sein kön­nen;
  • der Gesamt­ver­trag des Archi­tek­ten ein gemisch­ter Ver­trag aus Ele­men­ten des Werk- und des Auf­trags­ver­trags ist; 
  • eine Spal­tung der Rechts­fol­gen — je nach dem Cha­rak­ter der ver­letz­ten Pflicht — mög­lich ist;
  • die selb­stän­di­ge und in ein Pro­jekt mün­den­de Aus­füh­rung von Pro­jek­tie­rungs­ar­bei­ten, das Ver­fas­sen von Plä­nen und Kosten­vor­anschlä­gen werk­ver­trag­li­chen Cha­rak­ter hat;
  • die Bau­lei­tung und die Ver­ge­bung von Arbei­ten auf­trags­recht­li­chen Cha­rak­ter haben. 

Strit­tig waren fer­ner Fra­gen der Ablie­fe­rung des Werks (Voll­endung) und der Recht­zei­tig­keit der Män­gel­rü­ge.

Das HGer hat­te die­se Grund­sät­ze im Zusam­men­hang mit einer Hand­si­che­rung kor­rekt ange­wen­det, indem es wie folgt qua­li­fi­ziert hat­te:

Werk­ver­trag­lich:

  • Pro­jek­tie­rungs­pha­se: die Pro­jek­tie­rung von boden- und fels­me­cha­ni­schen Sta­bi­li­täts­be­rech­nun­gen, die Bemes­sung der Bau­gru­ben- und Hang­si­che­rung, das Zeich­nen von sche­ma­ti­schen geo­tech­ni­schen Schnit­ten, die Aus­ar­bei­tung eines Über­wa­chungs­kon­zepts und die Mit­ver­ant­wor­tung für die Zweck­mä­ssig­keit und Wirt­schaft­lich­keit der Kon­struk­tio­nen;
  • Rea­li­sie­rungs­pha­se: die Veri­fi­zie­rung der den boden- und fels­me­cha­ni­schen Berech­nun­gen zugrun­de geleg­ten Kenn­wer­te und Model­le sowie Kon­troll­rech­nun­gen eben­falls als werk­ver­trag­lich.

Auf­trags­recht­lich:

  • Pro­jek­tie­rungs­pha­se: die Teil­nah­me an Bege­hun­gen und Bespre­chun­gen, Archiv­ar­bei­ten und Akten­stu­di­um, die Mit­ar­beit bei der Berei­ni­gung von Nach­trags­of­fer­ten und die even­tu­el­le Teil­nah­me an Unter­neh­mer­ge­sprä­chen als auf­trags­recht­lich; und
  • Rea­li­sie­rungs­pha­se: die Beglei­tung der Tief­bau­ar­bei­ten, die Beur­tei­lung der Bau­ab­läu­fe, die Rap­por­tie­rung bezüg­lich Bau­aus­füh­rung und die Kom­men­tie­rung der Mess­ergeb­nis­se aus der Über­achung, die Mit­wir­kung bei der Lösung anste­hen­der Pro­ble­me und das even­tu­el­le Ver­fas­sen von fach­spe­zi­fi­schen Pro­to­kol­len.

Strit­tig war vor­lie­gend die Ver­let­zung von werk­ver­trag­li­chen Pflich­ten. Der Klä­ger hat­te die Prüf- und Rüge­o­b­lie­gen­heit (OR 367 I) ver­letzt (rund fünf­ein­halb bzw. sie­ben Mona­te nach Ent­deckung der gehei­men Män­gel; dem­ge­gen­über geht die Recht­spre­chung von einer Maxi­mal­frist von rund sie­ben Tagen aus). Aus die­sem Grund hat­te er sich — erfolg­los — auf die auf­trags­recht­li­che Natur der ent­spre­chen­den Pflich­ten beru­fen. 

Strit­tig war auch der Zeit­punkt der Ablie­fe­rung des voll­ende­ten Werks. Das BGer bestä­tigt dabei, dass auch ein man­gel­haf­tes Werk — gleich wel­cher Art die Män­gel sind — voll­endet sein und abge­lie­fert wer­den kann; die Man­gel­frei­heit ist kein Tat­be­stands­ele­ment der Voll­endung, son­dern nach Voll­endung und Ablie­fe­rung zu prü­fen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.