Mar­ke SHV

Der Schwei­zer Hote­lier-Ver­ein (SHV) ver­wen­det seit 1979 Ster­ne für die Klas­si­fi­zie­rung ihm ange­schlos­se­ner Hotels und seit 2004 auch für Nicht­mit­glie­der (kosten­pflich­tig). Dafür wer­den Garan­tie­mar­ken (MSchG 21) nach dem abge­bil­de­ten Muster ver­wen­det (Abb.).

Gastro­Suis­se führ­te mit dem SHV seit 2003 Gesprä­che über eine Klas­si­fi­zie­rung der ca. 60 % der nicht klas­si­fi­zier­ten Betrie­be, aber erfolg­los.

Gastro­Suis­se

2005 hin­ter­leg­te Gastro­Suis­se zehn Wort-/Bildmarken (Abb.) für eine eige­ne Klas­si­fi­zie­rung. Dar­auf­hin liess der SHV die Ver­wen­dung von Ster­nen durch Gastro­Suis­se vor­sorg­lich ver­bie­ten. Im Haupt­sa­che­ver­fah­ren unter­lag der SHV dage­gen. Nament­lich sei­en Ster­ne für die Klas­si­fi­zie­rung von Hotels Gemein­gut iSv MSchG 2 a. Das BGer weist die Beschwer­de ab.

Zunächst sei­en Ster­ne inso­weit tat­säch­lich Gemein­gut:

Mit dem Han­dels­ge­richt ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Ver­wen­dung von einem bis fünf Ster­nen für sich allein von den mass­geb­li­chen Ver­kehrs­krei­sen im Zusam­men­hang mit Beher­ber­gungs­ein­rich­tun­gen ohne beson­de­re Denk­ar­beit und ohne Fan­ta­sie­auf­wand unmit­tel­bar als Hin­weis auf die Qua­li­täts­stu­fe der ent­spre­chen­den Ein­rich­tung ver­stan­den wird. […] Ent­ge­gen der in der Beschwer­de ver­tre­te­nen Ansicht gilt dies selbst unter der Annah­me, dass bei Garan­tie­mar­ken hin­sicht­lich der Unter­schei­dungs­kraft im Ver­gleich zu Indi­vi­dual­mar­ken her­ab­ge­setz­te Anfor­de­run­gen gel­ten.”

Frag­lich war daher die Ver­kehrs­durch­set­zung der Mar­ken. Das BGer bejaht ein Frei­hal­te­be­dürf­nis an den Ster­nen zur Hotel­klas­si­fi­zie­rung:

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts darf von einem abso­lu­ten Frei­hal­te­be­dürf­nis, das eine Durch­set­zung als Mar­ke aus­schliesst, nur aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der Ver­kehr auf die Ver­wen­dung des Zei­chens ange­wie­sen ist, wobei die­se Bedin­gung nicht all­ge­mein, son­dern im Hin­blick auf die Waren oder Dienst­lei­stun­gen zu prü­fen ist, für die das Zei­chen bestimmt ist.[…] 

[…] Berück­sich­ti­gung der her­aus­ra­gen­den Bedeu­tung für die vom Beschwer­de­füh­rer bean­spruch­ten Dienst­lei­stun­gen […] Das all­ge­mei­ne Inter­es­se der Kon­kur­ren­ten an einer frei­en Gestal­tung des eige­nen Markt­ein­tritts ist in die­sem Fall stär­ker zu gewich­ten als das Risi­ko, dass ein allen­falls vom Beschwer­de­füh­rer geschaf­fe­ner Good­will von Drit­ten mit­ver­wen­det wer­den könn­te […]. Das Han­dels­ge­richt ist ohne Ver­let­zung von Bun­des­recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Ver­wen­dung der im Tou­ris­mus- und Hotel­le­rie­markt ver­brei­te­ten und viel­fäl­tig ver­wen­de­ten Ster­ne nicht mono­po­li­siert wer­den darf.”

Zwar steht die Ver­wen­dung der Garan­tie­mar­ke grund­sätz­lich jeder­mann offen (offe­ner Benut­zer­krei­ses, MSchG 21 III). Ein Frei­hal­te­be­dürf­nis besteht hier den­noch:

Ein­deu­tig bestimm­te, geschwei­ge denn ver­bind­li­che Kri­te­ri­en für die Zuord­nung von Ster­nen­sym­bo­len für Beher­ber­gungs­ein­rich­tun­gen bestehen in der Schweiz nicht. Ent­spre­chend ist die Aus­ge­stal­tung des Mar­ken­re­gle­ments im zu beur­tei­len­den Fall nicht geeig­net, das Frei­hal­te­be­dürf­nis zu besei­ti­gen. Der Beschwer­de­füh­rer kann durch die Ein­tra­gung sei­ner Garan­tie­mar­ken kei­nen Aus­schliess­lich­keits­an­spruch an Ster­nen in Allein­stel­lung erhe­ben, der es den zahl­rei­chen ande­ren Markt­teil­neh­mern ver­un­mög­li­chen wür­de, für die Klas­si­fi­zie­rung von Beher­ber­gungs­ein­rich­tun­gen eben­falls die in der Bran­che ver­brei­te­ten Ster­ne in fünf Kate­go­ri­en zu ver­wen­den. Abge­se­hen davon hat der Beschwer­de­füh­rer nicht Ster­ne in Allein­stel­lung als Garan­tie­mar­ken ein­ge­tra­gen, son­dern Wort-/Bildzeichen, die sich unter ande­rem aus einem bis fünf Ster­nen zusam­men­set­zen. Nur für die Benüt­zung die­ser regi­strier­ten Zei­chen stün­de Mit­kon­kur­ren­ten nach Art. 21 Abs. 3 MSchG die Mög­lich­keit zum Gebrauch offen. Der Ein­wand des offe­nen Benut­zer­krei­ses ver­mag das abso­lu­te Frei­hal­te­be­dürf­nis vor­lie­gend jeden­falls nicht zu besei­ti­gen.”

Zuletzt ver­nein­te das BGer Ver­wechs­lungs­ge­fahr zwi­schen der Mar­ke des SHV und jener von Gastro­Suis­se.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.