Nach­dem die SIX ein Gesuch um Deko­tie­rung bewil­ligt hat­te, erhob ein Aktio­när der Gesell­schaft Beschwer­de bei der Beschwer­de­instanz der SIX (vgl. RBI, Regle­ment für die Beschwer­de­instanz der SIX Swiss Exchan­ge). Die Beschwer­de­instanz wies die Beschwer­de ab und nann­te als Rechts­mit­tel­in­stanz das SIX-Schieds­ge­richt (vgl. RBI, 6.9; gestützt auf Ziff. die dama­li­gen AGB, die per 1.4.2010 durch die Han­dels­re­gle­ment der SIX ersetzt wur­den; zum Schieds­ge­richt vgl. Ziff. 24 II).

Strit­tig war vor BGer ein­zig die Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts, nach­dem das OGer ZH eine Nich­tig­keits­be­schwer­de gegen den Zustän­dig­keits­ent­scheid des Schieds­ge­richts abge­wie­sen hat­te. Das BGer stellt fest, dass das Schieds­ge­richt nicht zustän­dig ist:

Zwar ist die SIX zum Erlass von Vor­schrif­ten über Kotie­rung bzw. Deko­tie­rung ermäch­tigt (BEHG 8). Jedoch sieht BEHG 9 vor, dass nach dem Ent­scheid der Beschwer­de­instanz der Zivil­rich­ter zustän­dig ist. Inso­weit fehlt der SIX eine Rege­lungs­kom­pe­tenz. Dar­an ändert auch KR 62 II nichts (Rechts­mit­tel­weg bei Ent­schei­den des Regu­la­to­ry Board).

Auch eine wirk­sa­me Schieds­ab­re­de iSv aKSG 6 (heu­te: ZPO 357; Über­gangs­recht: ZPO 407; Text des auf­ge­ho­be­nen KSG: hier) lag nicht vor. Die Ein­lei­tung des Schieds­ver­fah­rens durch den Aktio­när begrün­de­te kei­nen Schieds­ver­trag (die SIX sah in KR 62 II eine Offer­te, die durch Ein­lei­tung des Schieds­ver­fah­rens ange­nom­men wor­den sei). Ohne­hin wäre eine sol­che Schieds­ver­ein­ba­rung form­nich­tig (nach aKSG 6 I war Unter­schrift erfor­der­lich; vgl. dage­gen ZPO 358: Nach­weis durch Text).

David Vasella

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RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.