Das Bun­des­ge­richt hat­te im Ent­scheid 6B_221/2010 zu beur­tei­len, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Erlö­se aus Bestechungs­ge­schäf­ten Tat­ob­jekt der Geld­wä­sche­rei i.S.v. Art. 305­bis StGB bil­den kön­nen. Der auf Ita­lie­nisch ver­fass­te Ent­scheid ist zur Publi­ka­ti­on in der amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen.
Ver­kürzt lag dem Ent­scheid fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: Zwei Geschäfts­part­ner wur­den in Ita­li­en wegen Bestechung eines Bür­ger­mei­sters im Zusam­men­hang mit einem Ver­trag über die Lie­fe­rung von Koh­le ver­ur­teilt. Die schwei­ze­ri­sche Bun­des­an­walt­schaft eröff­ne­te ein Ver­fah­ren wegen Geld­wä­sche­rei, nach­dem der angeb­li­che Erlös aus dem Bestechungs­ver­trag zwi­schen zwei Kon­ten bei einer Luga­ne­ser Bank ver­scho­ben wor­den sein soll. 
Das Bun­des­ge­richt ruft zunächst sei­ne Recht­spre­chung in Erin­ne­rung, wonach der Schwer­punkt beim Tat­be­stand der Geld­wä­sche­rei i.S.v. Art. 305­bis StGB in der Ver­ei­te­lung der Ein­zie­hung lie­ge (BGE 129 IV 238 E. 3.3).
Gemäss Art. 70 StGB unter­lie­gen der Ein­zie­hung ins­be­son­de­re Ver­mö­gens­wer­te, die durch eine Straf­tat erlangt wor­den sind. Zur Fra­ge, wann Ver­mö­gens­wer­te “durch eine Straf­tat erlangt” sind, zitiert das Bun­des­ge­richt sei­ne noch unter der Vor­gän­ger­norm (Art. 59 aStGB) ergan­ge­ne Recht­spre­chung: Die Straf­tat müs­se haupt­säch­li­che und adäqua­te Ursa­che für die Erlan­gung der Ver­mö­gens­wer­te sein und die­se müss­ten typi­scher­wei­se von der in Fra­ge ste­hen­den Straf­tat her­rüh­ren; erfor­der­lich sei mit­hin ein der­ar­ti­ger Kau­sal­zu­sam­men­hang, dass die Ver­mö­gens­wer­te als direk­te und unmit­tel­ba­re Kon­se­quenz der Straf­tat erschie­nen (vgl. Ent­scheid des Bun­des­ge­richts 6S.667/2000 E. 3a).
Die­se Recht­spre­chung prä­zi­siert nun das Bun­des­ge­richt unter Hin­weis auf die Leh­re fol­gen­der­ma­ssen (Über­set­zung aus dem Ita­lie­ni­schen):
E. 3.2 […] Zu Recht hat die Vor­in­stanz […] die Fra­ge geprüft, ob der (indi­rek­te) Vor­teil, der den Bestechern zukam, aus einem Ver­bre­chen her­rühr­te und daher Gegen­stand der Geld­wä­sche­rei i.S.v. Art. 305­bis StGB bil­den konn­te. Auf­grund des Vor­ste­hen­den muss die zitier­te Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts dahin­ge­hend prä­zi­siert wer­den, dass Ver­mö­gens­wer­te, die durch ein mit­tels Bestechung ermög­lich­tes Rechts­ge­schäft erlangt wur­den, in einem natür­li­chen und adäqua­ten Kau­sal­zu­sam­men­hang mit der Straf­tat ste­hen müs­sen, um als Ver­bre­chen­ser­lös zu gel­ten, ohne dass sie not­wen­di­ger­wei­se deren direk­te und unmit­tel­ba­re Kon­se­quenz sind.

Die Prä­zi­sie­rung der Recht­spre­chung führt im Ergeb­nis zu einer Aus­wei­tung des Geld­wä­sche­reitat­be­stan­des. In dem vom Bun­des­ge­richt behan­del­ten Fall wur­de ein hin­rei­chen­der Kau­sal­zu­sam­men­hang auf­grund der Akten­la­ge indes ver­neint.

Claudio Kerber

Posted by Claudio Kerber

RA lic.iur. Claudio Kerber arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Werder Viganò AG. Er ist Ko-Autor von Lehrwerken zum Wertpapierrecht (2005) und Finanzmarktrecht (2015).