Das revi­dier­te Ver­jäh­rungs­recht ist Gegen­stand des bun­des­ge­richt­li­chen Urteils vom 25. Janu­ar 2011 (6B_776/2010). Die Vor­in­stanz hat­te bei einer Ver­ur­tei­lung wegen gewerbs­mä­ssi­gen Wuchers gemäss Art. 157 Ziff. 2 StGB das alte Ver­jäh­rungs­recht ange­wen­det. Die dage­gen ein­ge­leg­te Beschwer­de wur­de gut­ge­hei­ssen, weil das neue Ver­jäh­rungs­recht in die­sem Fall mil­der war. Denn der Grund­satz der “lex miti­or” (Art. 2 Abs. 2 StGB) ist auch im Rah­men der Ver­jäh­rung anwend­bar (E. 2.4.1 mit Hin­weis auf BGE 134 IV 297 E. 4.1).

2.3 Gemäss Art. 389 Abs. 1 StGB fin­den die Bestim­mun­gen des neu­en Rechts über die Ver­fol­gungs- und Voll­streckungs­ver­jäh­rung auf Taten Anwen­dung, die vor dem 1. Okto­ber 2002 ver­übt wur­den, wenn die Rege­lun­gen mil­der sind als das bis­he­ri­ge Recht. Die bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 gel­ten­den Ver­jäh­rungs­be­stim­mun­gen sehen für gewerbs­mä­ssi­gen Wucher eine rela­ti­ve Ver­jäh­rungs­frist von zehn Jah­ren und eine abso­lu­te Ver­jäh­rungs­frist von 15 Jah­ren vor (vgl. aArt. 70 ff. StGB). In der Revi­si­on der Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung wur­de auf Unter­bre­chung und Ruhen ver­zich­tet (so aber noch aArt. 72 StGB in der bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 gel­ten­den Fas­sung). Das neue Ver­jäh­rungs­recht legt daher bei Taten, die mit einer Frei­heits­stra­fe von mehr als drei Jah­ren bedroht sind, die Ver­jäh­rungs­frist ein­heit­lich auf 15 Jah­re fest (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Anders als unter dem neu­en Recht, wonach nach ergan­ge­nem erst­in­stanz­li­chen Urteil die Ver­jäh­rung nicht mehr ein­tre­ten kann (Art. 97 Abs. 3 StGB), endet die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung unter dem bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 gel­ten­den Ver­jäh­rungs­recht gemäss bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung mit der Aus­fäl­lung des in Rechts­kraft erwach­se­nen letzt­in­stanz­li­chen kan­to­na­len Ent­scheids, durch den die Beschul­dig­ten ver­ur­teilt wer­den (BGE 133 IV 112 E. 9.3.1 und 129 IV 305 E. 6.2.1). Das Inkraft­tre­ten des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes am 1. Janu­ar 2007 hat hier­bei kei­ne Ände­rung gebracht. Die Recht­spre­chung zum Lauf der alt­recht­li­chen Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung im Ver­fah­ren der eid­ge­nös­si­schen Nich­tig­keits­be­schwer­de hat für das Ver­fah­ren der Beschwer­de in Straf­sa­chen wei­ter­hin Bestand, auch wenn die­ses Rechts­mit­tel nicht mehr ein­zig kas­sa­to­ri­scher Natur ist (Urteil 6B_115/2008 vom 4. Sep­tem­ber 2008 E. 2.7.5 […] sowie Urteil 6B_94/2010 vom 23. April 2010 E. 2.5 mit Hin­wei­sen).

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.