Eine Wei­sung (hier: ent­hal­ten in einer Haus­ord­nung) an das Per­so­nal eines Pfle­ge­heims, wonach Geld­spen­den von Pati­en­ten durch die Mit­ar­bei­ter an den Per­so­nal­fonds abzu­lie­fern sind, ver­stiess im kon­kre­ten Fall nach dem vor­lie­gen­den Urteil nicht gegen OR 321b II.

Zwar erfasst OR 321b II nur Zuwen­dun­gen, die für den Arbeit­ge­ber bestimmt sind (und des­halb nicht zB Trink­gel­der). Die von der Wei­sung im vor­lie­gen­den Fall ange­spro­che­nen Zuwen­dun­gen waren aber kei­ne Trink­gel­der, son­dern Zuwen­dun­gen aus Wert­schät­zung und Dank­bar­keit und zur Lin­de­rung erlit­te­nen Lei­des auch der Pfle­gen­den und zur Stär­kung für wei­te­re Pfle­ge­tä­tig­keit. Es ging also um Geld­spen­den zuhan­den des Per­so­nals. Die Wei­sung ord­ne­te damit nicht eine unzu­läs­si­ge Wei­te­rung der Her­aus­ga­be­pflicht an den Arbeit­ge­ber an.

Eine Mit­ar­bei­te­rin, die die­se Wei­sung selbst miss­ach­tet und dar­über hin­aus auch die ihr unter­stell­ten Mit­ar­bei­ter zur Nicht­be­fol­gung der Wei­sung anhält, ver­letzt sei­ne Treue­pflicht dop­pelt (OR 321a). Die Kün­di­gung war des­halb nicht miss­bräuch­lich.

David Vasella

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RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.