Das BGer bestä­tigt die Auf­fas­sung des BVGer, 

dass bei der Gewährs- und Leu­mund­s­prü­fung ver­schie­de­ne Ele­men­te wie Inte­gri­tät, Gewis­sen­haf­tig­keit und ein­wand­freie Sorg­falt als berufs­spe­zi­fi­sche Leu­munds­merk­ma­le oder all­ge­mei­ne Eigen­schaf­ten wie Anse­hen, Ach­tung und Ver­trau­ens­wür­dig­keit zu berück­sich­ti­gen sei­en. Unter Umstän­den könn­ten auch Akti­vi­tä­ten, die über die Tätig­keit als Revi­sor und Revi­si­ons­ex­per­te hin­aus­gin­gen, die Beur­tei­lung einer ein­wand­frei­en Prüf­tä­tig­keit beein­flus­sen. Eine ein­wand­freie Prüf­tä­tig­keit erfor­de­re fach­li­che Kom­pe­tenz und ein kor­rek­tes Ver­hal­ten im Geschäfts­ver­kehr. Unter Letz­te­rem sei in erster Linie die Ein­hal­tung der Rechts­ord­nung, nament­lich des Revi­si­ons­rechts, aber auch des Zivil- und Straf­rechts, sowie die Beach­tung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben zu ver­ste­hen. Mit dem Gebot der ein­wand­frei­en Prüf­tä­tig­keit nicht zu ver­ein­ba­ren sei­en des­halb Ver­stö­sse gegen ein­schlä­gi­ge Rechts­nor­men bzw. gegen die Treue- und Sorg­falts­pflich­ten.”

Im kon­kre­ten Fall war der Ent­zug der per­sön­li­chen Zulas­sung als Revi­si­ons­ex­per­te unver­hält­nis­mä­ssig. Ein Ent­zug der Zulas­sung ist ulti­ma ratio. Bei der Beur­tei­lung des Leu­munds kann das zeit­li­che Ele­ment eine Rol­le spie­len, denn eini­ge Zeit zurück­lie­gen­de Pflicht­ver­let­zun­gen trü­ben den Leu­mund weni­ger als neue­re Ver­stö­sse.

Im Bereich des Straf­rechts ent­hält RAVII a die Regel, dass straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lun­gen nur zu berück­sich­ti­gen sind, solan­ge deren Ein­trag im Zen­tral­straf­re­gi­ster nicht ent­fernt ist. Im Zivil­recht exi­stiert kei­ne ver­gleich­ba­re Regel; hier beur­teilt sich “unter den gege­be­nen Umstän­den auf­grund des Zeit­ab­laufs seit den frag­li­chen Hand­lun­gen”, ob ein feh­ler­haf­tes Ver­hal­ten (das hier vor­lag) den Leu­mund wei­ter­hin beein­träch­tigt:

Mit Blick auf die erwähn­ten Rege­lun­gen darf davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass auch Wider­hand­lun­gen gegen revi­si­ons­recht­li­che Vor­schrif­ten, die zu kei­ner straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung führ­ten und weit mehr als zehn Jah­re - im vor­lie­gen­den Fall min­de­stens 16 Jah­re — zurück­lie­gen, dem Revi­sor bzw. Revi­si­ons­ex­per­ten grund­sätz­lich nicht mehr ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Dies gilt jeden­falls dann, wenn der Betref­fen­de seit­her die ent­spre­chen­de beruf­li­che Tätig­keit ohne jede Bean­stan­dung wei­ter­hin aus­ge­übt hat […].” 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.