Das BGer geht im vor­lie­gen­den Urteil auf das Ver­hält­nis zwi­schen OR 85 I und SchKG 209 II ein: OR 85 I sieht vor, dass eine Teil­zah­lung für eine ver­zins­li­che Schuld zuerst auf die Zin­sen und erst dann auf das Kapi­tal anzu­rech­nen ist. Dem­ge­gen­über wird — aus Grün­den des Schut­zes der wei­te­ren Gläu­bi­ger — der Erlös im Fall einer Unter­deckung nach SchKG 209 II zuerst an das Kapi­tal und die bis zur Kon­kurs­er­öff­nung auf­ge­lau­fe­nen Zin­sen ange­rech­net und nur sub­si­di­är auf die zwi­schen Kon­kurs­er­öff­nung und Ver­wer­tung wei­ter auf­ge­lau­fe­ne Zins­schuld.

Der Wort­laut von SchKG 209 II ist aller­dings nicht “d’une clar­té exem­p­lai­re”: “Für pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen läuft jedoch der Zins bis zur Ver­wer­tung wei­ter, soweit der Pfan­der­lös den Betrag der For­de­rung und des bis zur Kon­kurs­er­öff­nung auf­ge­lau­fe­nen Zin­ses über­steigt”. Das BGer hält fest, dass der Sin­gu­lar “Betrag der For­de­rung” nur bezweckt, pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen dem Zins zwi­schen Kon­kurs und Ver­wer­tung gegen­über­zu­stel­len, aber nicht, zwi­schen den ein­zel­nen pfand­ge­si­cher­ter­ten For­de­run­gen zu unter­schei­den. Folg­lich läuft der Zins zwi­schen Kon­kurs und Ver­wer­tung nur dann wei­ter, wenn das Kapi­tal und die Zin­sen bis Kon­kurs aller pfand­ge­si­cher­ten For­de­run­gen in wel­chem Rang auch immer gedeckt sind, und nicht nur der betref­fen­den ein­zel­nen For­de­rung.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.