Im Ent­scheid 2C_199/2010 (fran­zö­sisch; zur Publi­ka­ti­on in der amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen) hat­te sich das Bun­des­ge­richt mit diver­sen Fra­gen im Zusam­men­hang mit aus­län­di­schen Effek­ten­händ­lern und Schwei­zer Zweig­nie­der­las­sun­gen zu beschäf­tig­ten.
Haupt­ak­teu­re waren eine Ltd-Gesell­schaft mit Sitz auf den Bri­tish Vir­gin Islands (BVI), die im Han­dels­re­gi­ster ein­ge­tra­ge­ne Zür­cher Zweig­nie­der­las­sung der BVI-Ltd. sowie deren fak­ti­sche Zweig­nie­der­las­sung in Genf.
Im Kern lau­te­te der Vor­wurf dahin­ge­hend, die BVI-Ltd. habe, zusam­men mit aus­län­di­schen Emis­si­ons­häu­sern, die Kur­se von Akti­en mani­pu­liert, um die­se weit über dem effek­ti­ven Wert an ahnungs­lo­se Anle­ger zu ver­kau­fen (E. 7.1.). 
Das Bun­des­ge­richt hat­te sich indes im vor­lie­gen­den Ent­scheid schwer­ge­wich­tig mit Fra­gen der Bewil­li­gungs­pflicht der Schwei­zer Zweig­nie­der­las­sun­gen unter dem Bör­sen­ge­setz bzw. der Bör­sen­ver­ord­nung zu befas­sen. 
Ein­lei­tend hielt das Bun­des­ge­richt fest, der vor­lie­gen­de Fall betref­fe den Han­del mit Akti­en, die anläss­lich von Kapi­tal­er­hö­hun­gen bei aus­län­di­schen Gesell­schaf­ten aus­ge­ge­ben wur­den (Emis­si­ons­tä­tig­keit durch aus­län­di­sche Gesell­schaf­ten auf dem Schwei­zer Pri­mär­markt). Die­se Tätig­keit unter­ste­he nicht den Art. 652 ff. OR, wel­che ein­zig auf Schwei­zer Gesell­schaf­ten anwend­bar sei­en (E. 8.1).
Das Bun­des­ge­richt erin­nert an die Bewil­li­gungs­pflicht für Effek­ten­händ­ler gemäss Art. 10 BEHG und ver­weist für den Begriff des Effek­ten­händ­lers auf die Legal­de­fi­ni­ti­on in Art. 2 lit. d BEHG. Dies­be­züg­lich weist das Bun­des­ge­richt dar­auf hin, das ent­schei­den­de Merk­mal lie­ge im “Kau­fen und Ver­kau­fen” von Effek­ten (E. 9.1).
Wei­ter ver­weist das Bun­des­ge­richt auf die Bör­sen­ver­ord­nung (BEHV), wel­che ver­schie­de­ne Kate­go­ri­en von Effek­ten­händ­lern vor­sieht: Zunächst geht das Bun­des­ge­richt auf die Emis­si­ons­häu­ser i.S.v. Art. 3 Abs. 2 BEHV ein und ver­weist für die Begriffs­be­stim­mung auf sei­ne Recht­spre­chung in BGE 136 II 43 E. 4.1. Das Bun­des­ge­richt betont, auch bei den Emis­si­ons­häu­sern lie­ge das grund­sätz­li­che Merk­mal (“la con­di­ti­on fon­da­men­ta­le”) im “Kau­fen und Ver­kau­fen” gemäss Art. 2 lit. d BEHG.

Wei­ter erin­nert das Bun­des­ge­richt dar­an, dass das Gesetz zwi­schen schwei­ze­ri­schen und aus­län­di­schen Effek­ten­händ­lern unter­schei­de und ver­weist dies­be­züg­lich auf Art. 37 BEHG (Zulas­sung) sowie Art. 38 Abs. 1 BEHV (Legal­de­fi­ni­ti­on des aus­län­di­schen Effek­ten­händ­lers). Wei­ter erin­nert das Bun­des­ge­richt dar­an, dass ein aus­län­di­scher Effek­ten­händ­ler gemäss Art. 39 BEHV in drei Fäl­len eine Bewil­li­gung der Auf­sichts­be­hör­de benö­tigt: Zweig­nie­der­las­sung; Ver­tre­tung; aus­län­di­sches Bör­sen­mit­glied.

Im vor­lie­gen­den Fall qua­li­fi­zier­te das Bun­des­ge­richt die BVI-Ltd. als aus­län­di­schen Effek­ten­händ­ler. Damit wich es von der Beur­tei­lung der Vor­in­stan­zen ab, wel­che die BVI-Ltd. als Emis­si­ons­haus taxiert hat­ten. Das Bun­des­ge­richt kam zum Schluss, die BVI-Ltd. habe gegen Art. 39 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 BEHV bzw. Art. 42 BEHV ver­sto­ssen, indem sie die Zür­cher Zweig­nie­der­las­sung habe im ein­tra­gen las­sen, ohne vor­gän­gig eine Bewil­li­gung der Auf­sichts­be­hör­de ein­ge­holt zu haben.

In Hin­blick auf die Liqui­da­ti­on der Schwei­zer Zweig­nie­der­las­sun­gen der BVI-Ltd. ver­weist das Bun­des­ge­richt auf die ana­lo­ge Anwen­dung der Bestim­mun­gen zum Ban­ken­kon­kurs (Art. 23ter aBankG, vgl. heu­te Art. 25 BankG sowie Art. 31 FINMAG) und macht Aus­füh­run­gen zu den Begrif­fen der Über­schul­dung bzw. der Liqui­di­täts­pro­ble­me i.S.v. Art. 25 Abs. 1 BankG:

11.3 Lorsqu’il exi­ste des rai­sons séri­eu­ses de craind­re que l’entreprise en cau­se soit suren­det­tée ou qu’elle souffre de pro­blè­mes de liqui­dité import­ants, il y a lieu d’appliquer par ana­lo­gie (cf. art. 36a LBVM) aux négoci­ants en val­eurs mobi­liè­res non auto­ri­sés les règles de la liqui­da­ti­on de la ban­que (fail­li­te ban­cai­re) selon les art. 33 ss LB (cf. art. 25 al. 1 let. c LB; dans leur teneur du 3 octob­re 2003 [RO 2004 2771 ss]) et d’ouvrir une pro­cé­du­re de fail­li­te ban­cai­re. La Com­mis­si­on fédé­ra­le des ban­ques pro­non­ce la liqui­da­ti­on (art. 33 al. 1 LB). Cet­te déci­si­on déplo­ie les effets de l’ouverture d’une fail­li­te au sens des art. 197 à 220 LP (art. 34 al. 1 LB). La liqui­da­ti­on a lieu selon les règles pre­scri­tes aux art. 221 à 270 LP, sous réser­ves des dis­po­si­ti­ons des art. 34 al. 3 à 39 LB (art. 34 al. 2 LB). En par­ti­cu­lier, la FINMA, respec­tive­ment l’ancienne Com­mis­si­on fédé­ra­le des ban­ques, peut prend­re des déci­si­ons et des mes­u­res qui déro­gent à ces règles (art. 34 al. 3 LB).”

Und wei­ter:

11.3.1 Des rai­sons séri­eu­ses de craind­re un suren­det­te­ment exi­stent non pas seu­le­ment à par­tir du moment où la ban­que ne rem­plit plus ses enga­ge­ments envers ses créan­ciers, mais dès l’instant où une nou­vel­le éva­lua­ti­on des actifs sus­ci­te des dou­tes quant à la cou­ver­tu­re des pré­ten­ti­ons des créan­ciers. Il suf­fit que des cir­con­stan­ces par­ti­cu­liè­res per­met­tent de con­clu­re à l’existence ou à la sur­ve­nue pro­chai­ne d’un suren­det­te­ment; la preuve for­mel­le du suren­det­te­ment n’est pas néces­saire (Messa­ge con­cer­nant la modi­fi­ca­ti­on de la loi fédé­ra­le sur les ban­ques et les cais­ses d’épargne du 20 novem­bre 2002, FF 2002 p. 7496). Il y a suren­det­te­ment lorsqu’il résul­te du bilan inter­mé­diai­re que les créan­ces ne sont plus cou­ver­tes, ni en pour­sui­vant les activités de la socié­té, ni en alié­nant ses biens (ATF 131 II 306 con­s­id. 4.3.1 p. 323 s.). La Com­mis­si­on fédé­ra­le des ban­ques jouit à cet égard d’un très lar­ge pou­voir d’appréciation, non seu­le­ment pour con­stater le ris­que de suren­det­te­ment mais aus­si pour déter­mi­ner le moment de sa sur­ven­an­ce [Ver­wei­se auf Leh­re], ce que le Tri­bu­nal admi­ni­stra­tif fédé­ral doit en princi­pe exami­ner libre­ment (art. 49 let. b PA en rela­ti­on avec l’art. 37 LTAF). En revan­che, le Tri­bu­nal fédé­ral ne peut se sai­sir de griefs à cet égard que dans les limi­tes des art. 97 al. 2 et 105 al. 2 LTF.

Schliess­lich äusser­te sich das Bun­des­ge­richt zu den auf­er­leg­ten sog. Wer­be­ver­bo­ten. Dabei hand­le es sich um eine leich­te und ver­hält­nis­mä­ssi­ge Mass­nah­men, wel­che die Beschwer­de­füh­rer ledig­lich inso­fern berüh­re, als die Ver­bo­te nur dann ver­öf­fent­licht wür­den, wenn sie nicht ein­ge­hal­ten wür­den. Die Fra­ge des sog. “naming and shaming” i.S.v. Art. 34 FINMAG liess das Bun­des­ge­richt aus­drück­lich offen. 

Claudio Kerber

Posted by Claudio Kerber

RA lic.iur. Claudio Kerber arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Werder Viganò AG. Er ist Ko-Autor von Lehrwerken zum Wertpapierrecht (2005) und Finanzmarktrecht (2015).