Das Bun­des­ge­richt hat Urteil vom 11. April 2011 (5A_875/2010) die Beschwer­de gegen ein Urteil des Kan­tons­ge­richts Wal­lis gut­ge­hei­ssen, das an Stel­le der ein­ge­klag­ten Erben­ge­mein­schaft zwei ihrer Mit­glie­der ver­ur­teilt hat­te, einem Drit­ten eine Ent­schä­di­gung für den Min­der­wert sei­nes Mit­ei­gen­tums­an­teils an einem Grund­stück zu lei­sten. Der Erb­las­ser und frü­he­re Mit­ei­gen­tü­mer hat­te sei­nen Anteil in einem Umfang genutzt, der mit sei­ner Quo­te nicht über­ein­stimm­te, wes­halb die Vor­in­stanz dem Beschwer­de­geg­ner einen finan­zi­el­len Aus­gleich nach Art. 651 Abs. 3 ZGB zusprach. Die Erben­ge­mein­schaft mach­te in ihrer Beschwer­de erfolg­reich ihre feh­len­de Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on gel­tend.

In sei­nen Erwä­gun­gen weist das Bun­des­ge­richt dar­auf hin, dass bei Pas­siv­pro­zes­sen gegen Erben­ge­mein­schaf­ten gilt, dass bei der Gel­tend­ma­chung ding­li­cher Rech­te alle Erben als Beklag­te belangt wer­den müs­sen, weil sie als Gesamt­hän­der nur gemein­sam über die Sache ver­fü­gen kön­nen, wäh­rend die Erben in Bezug auf obli­ga­to­ri­sche For­de­run­gen kei­ne not­wen­di­ge pas­si­ve Streit­ge­nos­sen­schaft bil­den (E. 4.1).

4.2 […] Auf jeden Fall besteht kei­ne Rechts­grund­la­ge, die ein­ge­klag­ten Erben als Gesamt­hän­der dazu zu ver­pflich­ten […]. Sie sind näm­lich nicht Mit­ei­gen­tü­mer des in Fra­ge ste­hen­den Grund­stücks, son­dern haben bereits im Jah­re 2002 ihren Mit­ei­gen­tums­an­teil (durch par­ti­el­le Erb­tei­lung) auf­ge­ge­ben. Die Beschwer­de­füh­re­rin (als Beklag­te) bestrei­tet mit Recht das Fun­da­ment der Kla­ge bzw. die mate­ri­el­le Grund­la­ge, um für den gel­tend gemach­ten Anspruch auf dem Weg der Kla­ge ver­pflich­tet zu wer­den (vgl. BGE 41 II 21 E. 2 S. 29 […]). Mit andern Wor­ten ist die beklag­te Par­tei in Bezug auf den gel­tend gemach­ten Ent­schä­di­gungs­an­spruch nicht pas­siv­le­gi­ti­miert. […] Das Glei­che trifft auf die Aus­glei­chung in Geld gemäss Art. 651 Abs. 3 ZGB zu. Sodann fehlt es nach Ansicht des Kan­tons­ge­richts an den Vor­aus­set­zun­gen für eine obli­ga­to­ri­sche For­de­rung, d.h. einen ver­trag­li­chen oder ausser­ver­trag­li­chen Scha­den­er­satz- bzw. einen Berei­che­rungs­an­spruch gegen den sei­ner­zei­ti­gen Mit­ei­gen­tü­mer, für wel­chen die Erben­ge­mein­schaft als des­sen Rechts­nach­fol­ge­rin bzw. die Erben ein­zeln ein­ste­hen müss­ten.
4.3 Ange­sichts die­ser Rechts­la­ge hät­te das Kan­tons­ge­richt die Kla­ge abwei­sen müs­sen. […]

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.