Eben­falls im Urteil vom 28. März 2011 (6B_1007/2010), das bereits zum Tat­be­stand des Check- und Kre­dit­kar­ten­miss­brauch wie­der­ge­ge­ben wur­de, äussert sich das Bun­des­ge­richt zu den Vor­aus­set­zun­gen im Rah­men des Betrugs­tat­be­stan­des.

Der Beschwer­de­füh­rer brach­te gegen die Ver­ur­tei­lung wegen gewerbs­mä­ssi­gen Betrug gemäss Art. 146 Abs. 2 StGB durch den Abschluss von Abon­nen­ten für Geschäfts­mo­bil­te­le­fo­ne vor, es habe kei­ne rechts­re­le­van­te Täu­schung vor­ge­le­gen, da der Zah­lungs­wil­le von ihm und sei­nen Kom­pli­zen nicht von den Mit­ar­bei­tern der geschä­dig­ten Pro­vi­der über­prüft wor­den sei und als inne­re Tat­sa­che ohne­hin nicht wirk­lich habe über­prüft wer­den kön­nen. Zudem sei deren Kon­troll­sy­stem leicht­sin­nig aus­ge­stal­tet gewe­sen, weil sie sehr vie­le Gerä­te an den­sel­ben Kun­den aus­ge­ge­ben hat­ten.

Das Bun­des­ge­richt erweist die­ser Argu­men­ta­ti­on eine Absa­ge und ver­weist auf sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung, wonach der straf­recht­li­che Schutz nicht bei jeder Fahr­läs­sig­keit des Getäusch­ten ent­fal­le, son­dern nur bei Leicht­fer­tig­keit, wel­che das betrü­ge­ri­sche Ver­hal­ten des Täters in den Hin­ter­grund tre­ten lässt (vgl. BGE 135 IV 76 E. 5.2 S. 80 f.; 128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165 E. 2a):

2.4.1 […] Nach der Recht­spre­chung ist die Vor­spie­ge­lung des Lei­stungs­wil­lens grund­sätz­lich arg­li­stig im Sin­ne von Art. 146 StGB, weil sie eine inne­re Tat­sa­che betrifft, die vom Ver­trags­part­ner ihrem Wesen nach nicht direkt über­prüft wer­den kann. Arg­list schei­det indes aus, soweit die Behaup­tung des Erfül­lungs­wil­lens mit­tels Nach­for­schun­gen über die Erfül­lungs­fä­hig­keit über­prüf­bar ist und sich aus der mög­li­chen und zumut­ba­ren Prü­fung erge­ben hät­te, dass der ande­re zur Erfül­lung nicht fähig ist (BGE 118 IV 359 E. 2, mit Hin­wei­sen).

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te die Vor­in­stanz laut Bun­des­ge­richt zutref­fend erkannt, dass der Pro­vi­dern nicht vor­ge­wor­fen wer­den kön­ne, sie hät­ten sich leicht­sin­nig ver­hal­ten und grund­le­gend­ste Vor­sichts­mass­nah­men miss­ach­tet, weil:

2.4.2 […] bei einem Mas­sen­ge­schäft wie dem Ver­kauf von Mobil­te­le­fo­nen den Ver­trags­par­tei­en nicht zuge­mu­tet wer­den kann, umfang­rei­che Unter­la­gen zu den finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen ein­zu­ver­lan­gen bzw. ein­rei­chen zu müs­sen, dies umso weni­ger, als sich das finan­zi­el­le Risi­ko beim Abschluss eines Ver­trags über ein Mobil­te­le­fon in Gren­zen hält.

Sie­he auch den bereits erwähn­ten Bei­trag zu die­sem Urteil betref­fend Check- und Kre­dit­kar­ten­miss­brauch.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.