In einem Ver­ant­wort­lich­keits­ver­fah­ren, in dem die Gemein­sa­me Ein­rich­tung KVG Ansprü­che gegen eine Kran­ken­kas­se gel­tend gemacht hat­te, war ins­be­son­de­re die Fra­ge umstrit­ten, ob der behaup­te­te Scha­den unge­nü­gend sub­stan­ti­iert war. Das OGer AG hat­te das von der Gemein­sa­men Ein­rich­tung ergrif­fe­ne Rechts­mit­tel mit die­ser Begrün­dung abge­wie­sen. Das BGer fasst die Anfor­de­run­gen an die Scha­dens­sub­stan­ti­ie­rung zusam­men:

Nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen hat die Scha­den­er­satz bean­spru­chen­de Par­tei den Scha­den zu bewei­sen (vgl. Art. 8 ZGB und Art. 42 Abs. 1 OR). Wie weit die anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen dabei inhalt­lich zu sub­stan­ti­ie­ren sind, damit sie unter die mass­geb­li­chen Bestim­mun­gen des mate­ri­el­len Rechts sub­su­miert wer­den kön­nen, bestimmt das mate­ri­el­le Bun­des­recht. Die jewei­li­gen Anfor­de­run­gen erge­ben sich einer­seits aus den Tat­be­stands­merk­ma­len der ange­ru­fe­nen Norm und ander­seits aus dem pro­zes­sua­len Ver­hal­ten der Gegen­par­tei. Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen müs­sen dabei so kon­kret for­mu­liert sein, dass ein sub­stan­ti­ier­tes Bestrei­ten mög­lich ist oder der Gegen­be­weis ange­tre­ten wer­den kann. Bestrei­tet der Pro­zess­geg­ner das an sich schlüs­si­ge Vor­brin­gen der behaup­tungs­be­la­ste­ten Par­tei, kann die­se gezwun­gen sein, die rechts­er­heb­li­chen Tat­sa­chen nicht nur in den Grund­zü­gen, son­dern so umfas­send und klar dar­zu­le­gen, dass dar­über Beweis abge­nom­men wer­den kann […]. Wird das Vor­lie­gen eines vor­erst nur pau­schal behaup­te­ten Scha­dens vom Pro­zess­geg­ner bestrit­ten, hat der Anspre­cher des­halb die ein­zel­nen kon­kre­ten Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen, wel­che Grund­la­ge für die Qua­li­fi­zie­rung einer Ver­mö­gens­ein­bu­sse als recht­lich rele­van­ter Scha­den bil­den […].”

Im vor­lie­gen­den Fall war die gesamt­haf­te Ver­än­de­rung des Ver­mö­gens zu berück­sich­ti­gen, und nicht nur die Aus­gleichs­zah­lun­gen nach KVG 105 (Risi­ko­aus­gleich) als iso­lier­te Auf­wand­po­si­ti­on:

Muss ein Ver­si­che­rer, der zunächst Risi­ko­aus­gleichs­zah­lun­gen erhal­ten hat, im Lau­fe der Zeit sel­ber sol­che erbrin­gen, so bedeu­tet dies zunächst, dass sich sei­ne Risi­ko­struk­tur posi­tiv ver­än­dert hat. Dies stellt nicht per se eine Ver­mö­gens­ein­bu­sse dar; viel­mehr sind neben den erhöh­ten Aus­gleichs­zah­lun­gen auch die Ver­än­de­run­gen der übri­gen Kosten und Erträ­ge zu berück­sich­ti­gen, um die Ver­mö­gens­dif­fe­renz infol­ge des Ver­si­cher­ten­zu­wach­ses zu bemes­sen.”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.