In sei­nem Blog “ius­wan­ze” berich­tet Tho­mas Hugi Yar über das Urteil 2C_418/2011 vom 12. Juli 2011, mit dem das Bun­des­ge­richt auf eine Beschwer­de nicht ein­trat, weil die bei­den von ihm ein­ge­reich­ten Rechts­schrif­ten “unge­bühr­li­chen Inhalts” waren.

Eine Rechts­schrift ist unge­bühr­lich im Sin­ne von Art. 42 Abs. 6 BGG:

2.2 […] wenn sie den durch die guten Sit­ten gebo­te­nen pro­zes­sua­len Anstand ver­mis­sen lässt und gewähl­ter Ton und Aus­drucks­wei­se sich auch durch das Recht auf selbst har­te Kri­tik an den Behör­den nicht mehr recht­fer­ti­gen las­sen […].


Bereits ein­zel­ne Äusse­run­gen in den bei­den Schrift­sät­zen des Beschwer­de­füh­rers waren laut Bun­des­ge­richt schon für sich allein nicht mit dem mini­mal­sten pro­zes­sua­len Anstand ver­ein­bar. Jeden­falls aber ging die zwei­te “ver­bes­ser­te” Rechts­schrift ange­sichts der Anhäu­fung halt­lo­ser, Ver­ach­tung aus­drücken­der Wort­wen­dun­gen weit über das hin­aus, was im Rah­men von selbst hef­ti­ger Kri­tik an behörd­li­chem Ver­hal­ten im Rah­men eines Gerichts­ver­fah­rens noch zuzu­las­sen sei (E. 2.3). Das Vor­ge­hen des Beschwer­de­füh­rers war umso weni­ger nach­voll­zieh­bar, nach­dem er bereits bei der ersten Rechts­schrift auf die Unge­bühr­lich­keit hin­ge­wie­sen wor­den war.

Das Bun­des­ge­richt zitiert unter ande­rem fol­gen­de Text­stel­len (E.2.3):

aben­teu­er­li­che, hals­bre­che­ri­sche Begrün­dung”, “behörd­li­che Anstif­tung zu ille­ga­lem Ver­hal­ten”, “Justiz­skan­dal son­der­glei­chen”, “in die­sem gro­tes­ken, bizar­ren und kaf­ka­es­ken St. Gal­ler Fall”, “anma­ssen­des bzw. amts­miss­bräuch­li­ches Schul­amt”, “intri­giert ein Schul­amt”, “von bür­ger­feind­li­chen St. Gal­ler Schul­be­hör­den aber bis hin zum Lais­ser-fai­re eines Ver­wal­tungs­ge­richts wider das Völ­ker­recht und das Men­schen­recht hin­ter­trie­ben wird”, “der Que­ru­lant ist eine kos­mo­po­li­tisch anschei­nend heil­los über­for­der­te, hin­ter­wäld­le­ri­sche Schul­be­hör­de, wel­che wegen ihrer Anma­ssung zur Mass­re­ge­lung dann auch noch vor die Eid­ge­nös­si­sche Ras­sis­mus­kom­mis­si­on zitiert gehört”, “Behör­den­scha­cher”, “ver­lo­ge­ne Pra­xis”, “intri­gier­te mit Unter­stel­lun­gen völ­lig unnütz das Stadt-St.-Galler Schul­amt”, “Kes­sel­trei­ben von St. Gal­ler Schul­be­hör­den”, “infa­mem Über­griff der Behör­den auf den Ehe­frie­den des Ehe­paars”, “Dolch­stoss in den Rücken der St. Gal­ler Nie­der­las­sungs­be­hör­den”, “ras­si­sti­sche Machen­schaf­ten”

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.