Das vor­lie­gen­de Urteil betrifft eine frist­lo­se Kün­di­gung durch den Arbeit­neh­mer. Eddy Barea, frü­her Cap­tain bei Neu­en­burg Xamax, hat­te 2006 frist­los gekün­digt, nach­dem er wäh­rend eines Spiels gegen GC aus der 1. Mann­schaft aus­ge­schlos­sen wor­den war. Er hat­te sich einer Anwei­sung des dama­li­gen Trai­ners Miroslaw Bla­ze­vic wider­setzt. Spä­ter bezeich­ne­te Bla­ze­vic Barea als Ver­rä­ter und Idio­ten, wofür er gebüsst wur­de. Barea kün­dig­te in der Fol­ge sei­nen Arbeits­ver­trag frist­los und klag­te gegen Xamax auf rund CHF 90’000 als Lohn und Ent­schä­di­gung für die miss­bräuch­li­che Kün­di­gung. Das KGer NE hat­te die Kla­ge im Umfang von rund CHF 44’000 im Dezem­ber 2010 gut­ge­hei­ssen. Das BGer weist die Beru­fung ab.

OR 337 berech­tigt auch den Arbeit­neh­mer zur frist­lo­sen Kün­di­gung aus wich­ti­gen Grün­den, d.h. Grün­den, die eine Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses bis zum näch­sten ordent­li­chen Kün­di­gungs­ter­min unzu­mut­bar machen. Hier lag ein wich­ti­ger Grund vor. Das BGer – das die Ent­schei­dung des KGer NE inso­weit nur mit Zurück­hal­tung über­prüft – aner­kennt zwar die Bedeu­tung der Spie­l­er­dis­zi­plin, beson­ders eines Cap­tain. Da aber nicht fest­stand, dass des­sen Ver­wei­ge­rung unge­recht­fer­tigt war, und da in sei­ner fünf­jäh­ri­gen Anstel­lung nichts Nega­ti­ves vor­ge­fal­len war, war der Feh­ler von Barea nicht beson­ders gra­vie­rend. Die unver­hält­nis­mä­ssi­ge Annah­me­ver­wei­ge­rung der Arbeits­lei­stung Bare­as durch den Club – dh den Aus­schluss von Barea von Spie­len – ver­letz­te des­sen legi­ti­mes Inter­es­se, sei­ne Arbeit effek­tiv aus­zu­üben, um den eige­nen Markt­wert nicht zu beein­träch­ti­gen (ein sol­ches Inter­es­se haben beson­ders Sport­ler, aber auch zB Künst­ler). Dazu kam die Beschimp­fung durch den Trai­ner. Die Kün­di­gung war des­halb gerecht­fer­tigt; das Ver­hal­ten des Clubs hat­te den Arbeits­ver­trag sei­nes Sinns beraubt.

Im Übri­gen war die frist­lo­se Kün­di­gung recht­zei­tig erfolgt. Barea hat­te zuwar­ten dür­fen, ob der Aus­schluss durch den Trai­ner in der Hit­ze des Gefechts durch den Club tat­säch­lich umge­setzt wür­de. Zudem hat­te es der Club sei­ner­seits in der Kor­re­spon­denz vor der Kün­di­gung ver­säumt, recht­zei­tig zu reagie­ren. Die Beru­fung auf eine Ver­spä­tung der Kün­di­gung durch Barea war daher treu­wid­rig.

Schliess­lich hat­te die Vor­in­stanz zu Recht Scha­den­er­satz und Genug­tu­ung zuge­spro­chen (die Höhe war jeweils nicht bestrit­ten, nur das Prin­zip): Der Scha­den des Arbeit­neh­mers ent­spricht dem in OR 337c I und II vor­ge­se­he­nen. Dem­ge­gen­über ist OR 337c III (Pöna­le) nicht ana­log auf die Kün­di­gung durch den Arbeit­neh­mer anwend­bar (vgl. BGE 133 III 657). Es kam jedoch eine Genug­tu­ung aus OR 49 (iVm OR 328 I) in Fra­ge. Dass sich Barea auf OR 337c III gestützt hat­te, scha­det ihm nicht (iura novit curia).

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.