Im Urteil 6B_1056/2010 vom 16. Juni 2011 geht das Bun­des­ge­richt auf die schwie­ri­ge Abgren­zung zwi­schen dolus even­tua­lis und bewuss­ter Fahr­läs­sig­keit ein (E. 2.2). Im Hin­blick auf den Tat­be­stand der unge­treu­en Geschäfts­be­sor­gung gemäss Art. 158 StGB weist es dar­auf hin, dass an den Nach­weis des Even­tu­al­vor­sat­zes „stren­ge Anfor­de­run­gen“ zu stel­len sind.

2.2 […] Even­tu­al­vor­satz darf bei der unge­treu­en Geschäfts­be­sor­gung nur ange­nom­men wer­den, wenn der Täter ernst­haft mit der Mög­lich­keit einer Ver­mö­gens­schä­di­gung rech­ne­te bzw. die­se sich ihm als wahr­schein­lich auf­dräng­te (BGE 123 IV 17 E. 3e S. 23 mit Hin­weis).


Im vor­lie­gen­den Fall führ­te der Beschwer­de­füh­rer X, der eine lang­jäh­ri­ge Berufs­er­fah­rung als Geschäfts­lei­ter hat­te, die Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft B als ein­zel­zeich­nungs­be­rech­tig­ter Gesell­schaf­ter weit­ge­hend allei­ne. Er unter­schrieb Ver­trä­ge und traf Ent­schei­dun­gen; sei­nen Geschäfts­part­ner Y infor­mier­te er peri­odisch über die Geschäf­te. Einen lukra­ti­ven Auf­trag über­trug der Beschwer­de­füh­rer unent­gelt­lich der Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft D, die ihm und sei­ner Lebens­part­ne­rin gehör­te. Die­se Gesell­schaft erbrach­te kei­ne Gegen­lei­stung an die Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft B.

Bei die­sem Vor­ge­hen han­del­te der Beschwer­de­füh­rer ins­be­son­de­re gegen den expli­zi­ten Wil­len sei­nes Geschäfts­part­ners, der von ihm ver­lang­te, die lau­fen­den Auf­trä­ge bei der bevor­ste­hen­den Auf­lö­sung der Gesell­schaft finan­zi­ell zu berück­sich­ti­gen. Ihm muss­te sich eine Ver­mö­gens­schä­di­gung der Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft durch die sorg­falts­wid­ri­ge, unent­gelt­li­che Wei­ter­ga­be des Auf­trags gera­de­zu auf­drän­gen (E. 2.3). Das Bun­des­ge­richt hat den Even­tu­al­vor­satz bejaht und die Beschwer­de abge­wie­sen.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.