Nach einer Mel­dung der Schwei­ze­ri­schen Depe­schen­agen­tur (SDA) hat das BVGer in dem Urteil C-6885/2008 vom 17. Juni 2011 ent­schie­den, dass das Schwei­ze­ri­sche Heil­mit­tel­in­sti­tut (Swiss­me­dic) sei­ne Pra­xis bei der Publi­ka­ti­on von Arz­nei­mit­tel-Infor­ma­tio­nen ändern muss, damit Phar­ma­her­stel­ler nicht mehr zum Abschluss teu­rer Ver­trä­ge mit Pri­vat­fir­men gezwun­gen wer­den. Die von Swiss­me­dic auf­er­leg­te Pflicht zur Ver­öf­fent­li­chung der Arz­nei­mit­tel­in­for­ma­tio­nen bei einem von nur zwei Anbie­tern darf nicht auf­recht erhal­ten wer­den.

Her­stel­ler von Arz­nei­mit­teln sind gesetz­lich ver­pflich­tet, die Infor­ma­tio­nen zu ihrem Prä­pa­rat in gedruck­ter und elek­tro­ni­scher Form zu publi­zie­ren. Als Publi­ka­ti­ons­fo­rum lässt Swiss­me­dic bis­her nur das Arz­nei­mit­tel-Kom­pen­di­um der Gale­ni­ca-Toch­ter Docu­med und die Pati­en­ten­in­for­ma­tio­nen-Daten­bank der Fir­ma ywe­see zu. Die Ver­öf­fent­li­chung der Fach- und Pati­en­ten­in­for­ma­tio­nen über die bei­den Fir­men ist kosten­pflich­tig.

Das BVGer hat nun einer Lau­san­ner Fir­ma Recht gege­ben, wel­che die von Swiss­me­dic ange­ord­ne­te Publi­ka­ti­on über das „Duo­pol“ ange­foch­ten hat­te. Die Rich­ter kamen zu dem Schluss, dass Swiss­me­dic die Her­stel­ler nicht ver­pflich­ten darf, die Infor­ma­tio­nen zu ihrem Prä­pa­rat über die bei­den frag­li­chen Anbie­ter zu ver­brei­ten.

Die SDA-Mel­dung zitiert aus dem Urteil:

In Erman­ge­lung einer kla­ren gesetz­li­chen Grund­la­ge gehe es nicht an, dass Swiss­me­dic Fir­men zum Abschluss eines teu­ren Ver­tra­ges mit Drit­ten ver­pflich­te, deren Tarif­ge­stal­tung nicht staat­lich kon­trol­liert sei. Die gegen­wär­ti­ge Pra­xis von Swiss­me­dic sei zur Erfül­lung der Infor­ma­ti­ons­pflicht weder geeig­net noch not­wen­dig. Durch den Ver­trags­zwang wer­de zudem die Wirt­schafts­frei­heit der Her­stel­ler­fir­men beein­träch­tigt. Mit der wach­sen­den Zahl staat­li­cher Auf­ga­ben und ihrer zuneh­men­den Dele­ga­ti­on an Pri­va­te kön­ne das aktu­el­le Pro­ze­de­re von Swiss­me­dic nicht tole­riert wer­den. Es sei nicht ein­seh­bar, wes­halb Swiss­me­dic die Infor­ma­tio­nen nicht selbst publi­zie­re, zumal es ihr gesetz­lich erlaubt sei, dafür auch eine Ent­schä­di­gung zu ver­lan­gen.

Sie­he auch unse­re Bei­trä­ge zum Rechts­streit zwi­schen Docu­med und ywe­see hier und hier.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.