Hin­ter­grund des vor­lie­gen­den Urteils war ein Ent­scheid des OGer LU, das die zwin­gen­de Natur von OR 404 I bei Auf­trags­ver­hält­nis­sen ent­ge­gen der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ver­neint hat­te, wenn die Par­tei­en nicht in einem abso­lu­ten Ver­trau­ens­ver­hält­nis ste­hen (sog. “aty­pi­sche” Auf­trä­ge; im kon­kre­ten Fall ein Unter­richts­ver­trag). Das BGer ver­neint hier eine Rechts­fra­ge grund­sätz­li­cher Bedeu­tung; es will auch in Zukunft an der zwin­gen­den Natur von OR 404 fest­hal­ten.

Das Urteil des OGer LU laut BGer:

Ein jeder­zei­ti­ges Auf­lö­sungs­recht wider­spre­che den Ver­trags­vor­stel­lun­gen der Par­tei­en und sei auch aus wirt­schaft­li­cher Sicht frag­wür­dig. […] Beim ent­gelt­li­chen Auf­trag gel­te es aber die Kon­ti­nui­täts­in­ter­es­sen der Par­tei­en zu berück­sich­ti­gen. Eine aus­län­di­sche Stu­den­tin kön­ne und müs­se objek­tiv betrach­tet nicht das Risi­ko auf sich neh­men, mit­ten in der Aus­bil­dung von der Schu­le ohne Anga­be von Grün­den auf die Stra­sse gestellt zu wer­den. Eben­so­we­nig sei es für die Schu­le sinn­voll, wenn eine Stu­den­tin den Ver­trag wäh­rend der Aus­bil­dung jeder­zeit und für die Schu­le fol­gen­los been­den könn­te. Bei­de Sei­ten hät­ten sich mit dem Ver­trags­ab­schluss auf eine bestimm­te Dau­er ein­ge­rich­tet, was auf jeden Fall dem zwin­gen­den Cha­rak­ter des Art. 404 Abs. 1 OR ent­ge­gen ste­he. […]”

Der Kom­men­tar des BGer:

Das Bun­des­ge­richt hat­te vor erst zwei Jah­ren im Urteil 4A_437/2008 […] zu prü­fen, ob die Fra­ge nach der zwin­gen­den Natur des jeder­zei­ti­gen Been­di­gungs­rechts gemäss Art. 404 Abs. 1 OR eine Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung […] dar­stellt. Es […] kam zum Schluss, dass sich eine erneu­te Über­prü­fung der seit Jahr­zehn­ten kon­stan­ten Pra­xis nicht auf­drän­ge […]. Die Fra­ge nach der Rechts­na­tur von Art. 404 Abs. 1 OR sei seit dem Grund­satz­ent­scheid BGE 115 II 464 mehr­fach auf­ge­wor­fen und eine erneu­te Über­prü­fung in Kennt­nis der abwei­chen­den Lehr­mei­nun­gen stets als ent­behr­lich betrach­tet wor­den. Das Bun­des­ge­richt habe bis­her an sei­ner Pra­xis fest­ge­hal­ten und ins­be­son­de­re erwo­gen, dass die­se Pra­xis zwar kri­ti­siert wer­de, sich die Kri­ti­ker aber kei­nes­wegs dar­über einig sei­en, wie eine geän­der­te Pra­xis aus­se­hen müss­te (Urteil 4A_437/2008 […]).

Die­se Erwä­gun­gen tref­fen nach wie vor zu. Das Bun­des­ge­richt hat die Fra­ge nach der Rechts­na­tur von Art. 404 Abs. 1 OR beant­wor­tet und ein Bedürf­nis zur Über­prü­fung der kla­ren und kon­stan­ten Recht­spre­chung zur zwin­gen­den Natur von Art. 404 OR besteht auch dann nicht, wenn die­se von kan­to­na­len Gerich­ten im Ein­zel­fall nicht befolgt wer­den soll­te. […].”

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.