Im Urteil 6B_115/2011 vom 26. Juli 2011 äussert sich das Bun­des­ge­richt erneut zu der Fra­ge, wie die lex miti­or zu bestim­men ist:

3.5 Ob das neue im Ver­gleich zum alten Gesetz mil­der ist, beur­teilt sich nicht nach einer abstrak­ten Betrach­tungs­wei­se, son­dern in Bezug auf den kon­kre­ten Fall (Grund­satz der kon­kre­ten Ver­gleichs­me­tho­de). Grund­sätz­lich müs­sen in erster Linie die recht­li­chen Bedin­gun­gen der strei­ti­gen Straf­tat geprüft wer­den. Ist das Ver­hal­ten sowohl nach altem als auch nach neu­em Recht straf­bar, muss ein Ver­gleich der ins­ge­samt zu gewär­ti­gen­den Sank­tio­nen vor­ge­nom­men wer­den. Der Rich­ter hat die Tat sowohl nach altem als auch nach neu­em Recht (hypo­the­tisch) zu prü­fen und durch Ver­gleich der Ergeb­nis­se fest­zu­stel­len, nach wel­chem der bei­den Rech­te der Täter bes­ser weg­kommt. Eine ent­schei­den­de Rol­le spielt die ange­droh­te Höchst­stra­fe; mass­geb­lich sind jedoch alle anwend­ba­ren Straf­zu­mes­sungs­re­geln (BGE 135 IV 113 E. 2.2; mit Bezug auf den revi­dier­ten All­ge­mei­nen Teil des Straf­ge­setz­bu­ches 134 IV 82 E. 6.2.1; 126 IV 5 E. 2c; je mit Hin­wei­sen). […]


Im Hin­blick auf Ver­gleich von Geld­stra­fe und Bus­se hält das Bun­des­ge­richt fest:

3.5 […] Zu berück­sich­ti­gen ist, dass die Geld­stra­fe und die Bus­se inso­fern gleich­wer­tig sind, als sie bei­de den Täter in sei­nem Ver­mö­gen tref­fen. Sie unter­schei­den sich dage­gen in der Berech­nungs­art, die je nach Fall­kon­stel­la­ti­on dazu füh­ren kann, dass eine die­ser Stra­fen für den Täter mil­der sein kann als die ande­re. Zudem kann für die Geld­stra­fe im Unter­schied zur Bus­se teil­wei­se oder voll­um­fäng­lich der beding­te Voll­zug gewählt wer­den, wes­halb sie dies­falls auch dann in ihren Aus­wir­kun­gen mil­der erscheint, wenn ihr Maxi­mal­be­trag höher liegt als der­je­ni­ge der Bus­se (BGE 135 IV 113 E. 2.5 mit Hin­weis).

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te es die Vor­in­stanz unter­las­sen, die Stra­fe sowohl nach altem als auch nach neu­em Recht zu beur­tei­len und zu ver­glei­chen. Das Bun­des­ge­richt hat die Beschwer­de teil­wei­se gut­ge­hei­ssen.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.