Das bun­des­ge­richt­li­che Urteil 1B_372/2011 vom 29. August 2011 beschäf­tigt sich mit dem Anspruch auf amt­li­che Ver­tei­di­gung für Straf­fäl­le, die in tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Hin­sicht Schwie­rig­kei­ten bie­ten, denen die beschul­dig­te Per­son allein nicht gewach­sen wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO).

Eine Zusam­men­fas­sung des fran­zö­sisch-spra­chi­gen Ent­scheids bie­tet straf​pro​zess​recht​.ch:

Das Bun­des­ge­richt […] erteilt einer abstrak­ten objek­ti­vier­ten Betrach­tungs­wei­se eine kla­re Absa­ge. […] Aus­schlag­ge­bend waren damit wohl:

  • Fremd­spra­chig­keit
  • schlech­te Schul­bil­dung
  • kei­ne juri­sti­schen Kennt­nis­se
  • sub­jek­ti­ves Inter­es­se an Frei­spruch (eige­ne Kin­der als Opfer des angeb­li­chen Delikts) 

[…] Das Bun­des­ge­richt stellt hier aber klar, dass die „Schwie­rig­kei­ten“ im Sin­ne von Art. 132 Abs. 2 StPO aus sub­jek­ti­ver Sicht des Beschul­dig­ten zu beur­tei­len sind.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.