Im Ent­scheid 4A_107/2011 vom 25. August 2011 hat­te das Bun­des­ge­richt zu ent­schei­den, ob die ver­ein­bar­te Kon­ven­tio­nal­stra­fe bei einem Kon­kur­renz­ver­bot im Arbeits­ver­trag ange­mes­sen war.

A. war von Mai 2003 bis August 2008 bei der X. AG in St. Gal­len als Unter­neh­mens­be­ra­ter in Per­so­nal­fra­gen ange­stellt. Sein Arbeits­ver­trag ent­hielt ein Kon­kur­renz­ver­bot und sta­tu­ier­te eine Kon­ven­tio­nal­stra­fe in der Höhe von CHF 100’000. Im Auf­lö­sungs­ver­trag wur­de fest­ge­hal­ten, dass die­ses Kon­kur­renz­ver­bot auch wei­ter­hin gel­ten soll­te.

Im Sep­tem­ber 2008 liess A. sei­ne Ein­zel­fir­ma im Han­dels­re­gi­ster St. Gal­len ein­tra­gen zum Zwecke der Bera­tung in “Human Resour­ces Manage­ment”. Die X. AG klag­te auf Zah­lung der Kon­ven­tio­nal­stra­fe von CHF 100’000. Das Kreis­ge­richt St. Gal­len hiess die Kla­ge gut und auch das Kan­tons­ge­richt St. Gal­len bestä­tig­te das Urteil, wes­halb A. Beru­fung beim Bun­des­ge­richt erhob. Das Bun­des­ge­richt qua­li­fi­zier­te die Beru­fung gemäss dem nicht mehr in Kraft ste­hen­den Bun­des­ge­setz über die Orga­ni­sa­ti­on der Bun­des­rechts­pfle­ge als Beschwer­de in Zivil­sa­chen und wies die Beschwer­de ab.

Das Bun­des­ge­richt hielt fol­gen­des fest: Gemäss Art. 163 Abs. 3 OR kann der Rich­ter eine über­mä­ssig hohe Kon­ven­tio­nal­stra­fe nach eige­nem Ermes­sen her­ab­set­zen. Gerecht­fer­tigt ist eine sol­che Her­ab­set­zung jedoch nur, wenn der Betrag das ver­nünf­ti­ge nach Recht und Bil­lig­keit noch ver­ein­ba­re Mass über­steigt. Dazu führt das Bun­des­ge­richt aus:

Eine Her­ab­set­zung der Kon­ven­tio­nal­stra­fe recht­fer­tigt sich ins­be­son­de­re, wenn zwi­schen dem ver­ein­bar­ten Betrag und dem Inter­es­se des Anspre­chers, dar­an im vol­len Umfang fest­zu­hal­ten, im Zeit­punkt der Ver­trags­ver­let­zung ein kras­ses Miss­ver­hält­nis besteht. Ob die­se Vor­aus­set­zung gege­ben ist, ent­schei­det sich nicht all­ge­mein, son­dern hängt von den Umstän­den des Ein­zel­fal­les ab. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die Art und Dau­er des Ver­trags, die Schwe­re des Ver­schul­dens und der Ver­trags­ver­let­zung, das Inter­es­se des Anspre­chers an der Ein­hal­tung des Ver­bots sowie die wirt­schaft­li­che Lage der Betei­lig­ten, nament­lich des Ver­pflich­te­ten. Als Indiz des Über­ma­sses kommt der höchst­mög­li­che Scha­den in Betracht; der effek­tiv ein­ge­tre­te­ne Scha­den ist hin­ge­gen nicht mass­ge­bend. Zu berück­sich­ti­gen sind fer­ner all­fäl­li­ge Abhän­gig­kei­ten aus dem Ver­trags­ver­hält­nis und die Geschäfts­er­fah­run­gen der Betei­lig­ten; gegen­über einer wirt­schaft­lich schwa­chen Par­tei recht­fer­tigt sich eine Her­ab­set­zung eher als unter wirt­schaft­lich gleich­ge­stell­ten und geschäfts­kun­di­gen Ver­trags­part­nern (BGE 133 III 43 E. 3.3, 201 E. 5.2; 114 II 264 E. 1; je mit Hin­wei­sen).

Im vor­lie­gen­den Fall ent­sprach die Kon­ven­tio­nal­stra­fe von CHF 100’000 unge­fähr dem Betrag, den A. in drei Mona­ten bei der X. AG erwirt­schaf­te­te und etwa dem Lohn von A. in acht Mona­ten bei der X. AG, wes­halb das Bun­des­ge­richt die Kon­ven­tio­nal­stra­fe als nicht über­mä­ssig beur­teil­te und die Beschwer­de abwies.

Lorraine Hostettler

Posted by Lorraine Hostettler