Künf­tig sol­len Bun­des­ge­set­ze auf ihre Ver­ein­bar­keit mit der Bun­des­ver­fas­sung über­prüft wer­den kön­nen, wie der Bun­des­rat in einer heu­te ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me mit­teilt. Er befür­wor­tet dar­in den Vor­schlag der Kom­mis­si­on für Rechts­fra­gen des Natio­nal­ra­tes, die Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit für Bun­des­ge­set­ze ein­zu­füh­ren.

Die natio­nal­rät­li­chen Rechts­kom­mis­si­on hat die Auf­he­bung von Art. 190 BV bean­tragt, wonach Bun­des­ge­set­ze und Völ­ker­recht für die rechts­an­wen­den­den Behör­den ver­bind­lich sind. Mit der Auf­he­bung die­ser Bestim­mugg soll erreicht wer­den, dass die Behör­den inso­weit nicht an ein Bun­des­ge­setz gebun­den sind, als die­ses dem über­ge­ord­ne­ten Ver­fas­sungs­recht wider­spricht. Bun­des­ge­set­ze sol­len in die­ser Hin­sicht gleich behan­delt wer­den wie Ver­ord­nun­gen des Bun­des und kan­to­na­le Erlas­se.

Die Ver­fas­sungs­mä­ssig­keit eines Bun­des­ge­set­zes soll durch die Gerich­te aller­dings nur in kon­kre­ten Ein­zel­fäl­len über­prüft wer­den dür­fen. Eine gene­rel­le Über­prü­fung in Form der sog. abstrak­ten Nor­men­kon­trol­le ist nicht vor­ge­se­hen. Bei Wider­sprü­chen wird wei­ter­hin Art. 5 Abs. 4 BV aus­schlag­ge­bend sein, der zwar vom grund­sätz­li­chen Vor­rang des Völ­ker­rechts aus­geht, aber kei­ne strik­te Kol­li­si­ons­norm ent­hält.

Im gel­ten­den Recht kann die Unver­ein­bar­keit von Bun­des­ge­set­zen mit dem Völ­ker­recht gerügt wer­den, nicht aber die Unver­ein­bar­keit mit der Bun­des­ver­fas­sung.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.