Das BGer hat­te eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ein Urteil des OGer OW zu beur­tei­len und fass­te in die­sem Zusam­men­hang die Regeln zur Zustel­lung von Sen­dun­gen (kon­kret einer Kosten­vor­schuss­ver­fü­gung des Kan­tons­ge­richts­prä­si­den­ten) wie folgt zusam­men:

Als zuge­stellt gilt eine Sen­dung, wenn sie in den Macht­be­reich des Emp­fän­gers gelangt ist (BGE 122 III 316 E. 4b S. 320 mit Hin­wei­sen). Dass die­ser sie tat­säch­lich in Emp­fang oder zur Kennt­nis nimmt, ist nicht erfor­der­lich (BGE 122 I 139 E. 1 S. 143 mit Hin­weis). Als zuge­stellt gilt die Sen­dung ins­be­son­de­re dann, wenn sie einem vom Adres­sa­ten zur Ent­ge­gen­nah­me der Post­sen­dung ermäch­tig­ten Drit­ten zuge­gan­gen ist (Urteil 2C_82/2011 vom 28. April 2011 E. 2.3, in: StR 66/2011 S. 698). Aus einer feh­ler­haf­ten Zustel­lung dür­fen den Par­tei­en kei­ne Nach­tei­le erwach­sen (BGE 122 I 97 E. 3a/aa S. 99; 129 I 361 E. 2.1 S. 364; 132 I 249 E. 6 S. 253 f.; Urteil 5A_555/2008 vom 10. Dezem­ber 2008 E. 3.1; vgl. auch Art. 49 BGG). Die Beweis­last für die kor­rek­te Zustel­lung einer Ver­fü­gung obliegt grund­sätz­lich der Behör­de, wel­che dar­aus recht­li­che Kon­se­quen­zen ablei­ten will (BGE 129 I 8 E. 2.2 S. 10 mit Hin­wei­sen). Wer­den die Zustel­lung oder ihr Datum bestrit­ten und bestehen dar­über tat­säch­lich Zwei­fel, muss auf die Dar­stel­lung des Emp­fän­gers abge­stellt wer­den (BGE 103 V 63 E. 2a S. 66; Urteil 6A.100/2006 vom 28. März 2007 E. 2.2.1). Bei Ein­schrei­ben ist der Beweis der Zustel­lung durch die unter­schrift­li­che Emp­fangs­be­stä­ti­gung im Regel­fall ein­fach zu erbrin­gen.

Im vor­lie­gen­den Fall stand eine rechts­ge­nü­gen­de Zustel­lung nicht fest. Die Iden­ti­tät der Per­son, die anstel­le des Adres­sa­ten unter­schrie­ben und die Sen­dung ent­ge­gen­ge­nom­men hat­te, war nie geklärt wor­den. Da der Adres­sat bereits im kan­to­na­len Ver­fah­ren vor­ge­bracht hat­te, nur eine ein­zi­ge Per­son habe für ihn Sen­dun­gen ent­ge­gen­neh­men dür­fen, hät­te abge­klärt wer­den müs­sen, ob tat­säch­lich eine emp­fangs­be­rech­tig­te Per­son die Sen­dung ent­ge­gen­ge­nom­men hat. Das BGer heisst die Beschwer­de daher gut.

David Vasella

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RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.