5D_88/2011: Anforderungen an die Abklärung der Zustellung einer Sendung

Das BGer hat­te eine Ver­fas­sungs­beschw­erde gegen ein Urteil des OGer OW zu beurteilen und fasste in diesem Zusam­men­hang die Regeln zur Zustel­lung von Sendun­gen (konkret ein­er Kosten­vorschussver­fü­gung des Kan­ton­s­gericht­spräsi­den­ten) wie fol­gt zusammen: 

Als zugestellt gilt eine Sendung, wenn sie in den Macht­bere­ich des Empfängers gelangt ist (BGE 122 III 316 E. 4b S. 320 mit Hin­weisen). Dass dieser sie tat­säch­lich in Emp­fang oder zur Ken­nt­nis nimmt, ist nicht erforder­lich (BGE 122 I 139 E. 1 S. 143 mit Hin­weis). Als zugestellt gilt die Sendung ins­beson­dere dann, wenn sie einem vom Adres­sat­en zur Ent­ge­gen­nahme der Post­sendung ermächtigten Drit­ten zuge­gan­gen ist (Urteil 2C_82/2011 vom 28. April 2011 E. 2.3, in: StR 66/2011 S. 698). Aus ein­er fehler­haften Zustel­lung dür­fen den Parteien keine Nachteile erwach­sen (BGE 122 I 97 E. 3a/aa S. 99; 129 I 361 E. 2.1 S. 364; 132 I 249 E. 6 S. 253 f.; Urteil 5A_555/2008 vom 10. Dezem­ber 2008 E. 3.1; vgl. auch Art. 49 BGG). Die Beweis­last für die kor­rek­te Zustel­lung ein­er Ver­fü­gung obliegt grund­sät­zlich der Behörde, welche daraus rechtliche Kon­se­quen­zen ableit­en will (BGE 129 I 8 E. 2.2 S. 10 mit Hin­weisen). Wer­den die Zustel­lung oder ihr Datum bestrit­ten und beste­hen darüber tat­säch­lich Zweifel, muss auf die Darstel­lung des Empfängers abgestellt wer­den (BGE 103 V 63 E. 2a S. 66; Urteil 6A.100/2006 vom 28. März 2007 E. 2.2.1). Bei Ein­schreiben ist der Beweis der Zustel­lung durch die unter­schriftliche Emp­fangs­bestä­ti­gung im Regelfall ein­fach zu erbringen.

Im vor­liegen­den Fall stand eine rechts­genü­gende Zustel­lung nicht fest. Die Iden­tität der Per­son, die anstelle des Adres­sat­en unter­schrieben und die Sendung ent­ge­gengenom­men hat­te, war nie gek­lärt wor­den. Da der Adres­sat bere­its im kan­tonalen Ver­fahren vorge­bracht hat­te, nur eine einzige Per­son habe für ihn Sendun­gen ent­ge­gen­nehmen dür­fen, hätte abgek­lärt wer­den müssen, ob tat­säch­lich eine emp­fangs­berechtigte Per­son die Sendung ent­ge­gengenom­men hat. Das BGer heisst die Beschw­erde daher gut.