Die Ver­jäh­rungs­fri­sten bei schwer­wie­gen­den Ver­ge­hen sol­len von sie­ben auf zehn Jah­re ver­län­gert wer­den, um die Straf­ver­fol­gung auch bei kom­ple­xen Sach­ver­hal­ten zu ermög­li­chen. Der Bun­des­rat hat heu­te eine ent­spre­chen­de Geset­zes­re­vi­si­on in die Ver­nehm­las­sung geschickt.

Die Vor­la­ge geht auf zwei gleich­lau­ten­de Motio­nen zurück, die län­ge­re Ver­jäh­rungs­fri­sten bei Wirt­schafts­de­lik­ten ver­lan­gen, weil die gel­ten­den Ver­jäh­rungs­fri­sten für kom­ple­xe Fäl­le von Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät zu kurz bemes­sen sei­en. Im Bereich der Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät ver­jäh­ren nach der­zei­ti­ger Rechts­la­ge die Ver­bre­chen in 15 Jah­ren und die Ver­ge­hen in sie­ben Jah­ren. Wäh­rend sich die Ver­jäh­rungs­frist für Ver­bre­chen als aus­rei­chend erwie­sen hat, müs­sen die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den bei Ver­ge­hen auf­grund der kur­zen Ver­jäh­rungs­frist oft auf eine Straf­ver­fol­gung ver­zich­ten oder unter extre­mer Zeit­not arbei­ten.

Eine prä­zi­se Defi­ni­ti­on des Begriffs „Wirt­schafts­de­lik­te“ besteht nicht. Des­halb schlägt der Bun­des­rat vor, die all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­fri­sten im Straf­recht zu ver­län­gern, so dass für die Bestim­mung der Ver­jäh­rungs­fri­sten für alle Delik­te die Schwe­re der Tat bzw. die ange­droh­te Höchst­stra­fe mass­geb­lich ist.

Die Ver­jäh­rungs­frist für schwer­wie­gen­de Ver­ge­hen, die mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe bedroht sind, soll von sie­ben auf zehn Jah­re ver­län­gert wer­den (z.B. Geld­wä­sche­rei oder unge­treue Geschäfts­be­sor­gung). Für leich­te und mit­tel­schwe­re Ver­ge­hen soll hin­ge­gen die Ver­jäh­rungs­frist bei sie­ben Jah­ren belas­sen wer­den (z.B. Ver­let­zun­gen des Urhe­ber- oder Mar­ken­rechts). Mit die­ser Abstu­fung kön­ne der unter­schied­li­chen Schwe­re der Ver­ge­hen ange­mes­sen Rech­nung getra­gen wer­den.

Sie­he auch den Ent­wurf der Geset­zes­än­de­rung und den Bericht des Bun­des­ra­tes.

Juana Vasella

Posted by Juana Vasella

RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.